Grundsätzliches


Bestimmung des richtigen Einnahmezeitpunktes von Triptanen
Die Triptanschwelle

Triptane: Mittel der Wahl

Seit 1993 steht die Substanz

  • Sumatriptan

als erster so genannter selektiver Serotoninagonist in der Migränetherapie zur Verfügung. Heute sind folgende weitere Wirkstoffe aus dieser Substanzklasse erhältlich:

  • Naratriptan
  • Zolmitriptan
  • Eletriptan
  • Almotriptan
  • Rizatriptan
  • Frovatriptan

Da Triptane nicht nur den Migränekopfschmerz bekämpfen, sondern auch gegen Begleitsymptome wie Übelkeit, Erbrechen, Lärm- und Lichtempfindlichkeit wirken, ist eine zusätzliche Anwendung eines Medikaments gegen Übelkeit und Erbrechen (Antiemetikum) manchmal nicht erforderlich. Bei schweren Attacken allerdings ist die Muskulatur des Magens in ihrer Beweglichkeit so gestört, sodass das Triptan nicht in den Darm weiterbefördert werden kann. In diesem Fall empfiehlt sich nach wie vor die Gabe eines Antiemetikums (Metoclopramid, Domperidon) ca. 15 Minuten vor Einnahme des Triptans.

Eine entscheidende Wirkung der Triptane: Sie blockieren die Freisetzung von Nervenbotenstoffen (Neuropeptiden und Neurotransmittern), die eine lokale neurogene Entzündung an den Blutgefäßen des Gehirns auslösen können. Zudem können Triptane während der Migräneattacke die erhöhte Nervenaktivität in verschiedenen Gehirnzentren normalisieren und erweiterte Kurzschlüsse zwischen den Arterien und Venen des Gehirns (Anastomosen) wieder verengen, wodurch eine Normalisierung der Sauerstoffversorgung des Gehirns erreicht wird.

Während Schmerzmedikamente überall im Körper wirken, binden die Triptane im wesentlichen gezielt und selektiv an den Schaltstellen (5-HT1B und 1D-Rezeptoren), die an genau den Stellen des Gehirns lokalisiert sind, an denen die Krankheitsvorgänge der Migräne ablaufen.

Wichtige Regeln für alle Triptane

  • Triptane sollten nur eingesetzt werden nach einer ärztlichen Voruntersuchung einschließlich Blutdruckmessung und Elektrokardiogramm sowie individueller Beratung. Dies gilt auch und gerade für den erstmaligen Einsatz in der Notfallsituation bei schweren Migräneattacken.
  • Sie sollten nicht eingesetzt werden, wenn ein Dauerkopfschmerz aufgrund von Medikamentenübergebrauch besteht, oder Gegenanzeigen bestehen, wie zum Beispiel ein Zustand nach Herzinfarkt, Schlaganfall, andere Gefäßerkrankungen, Bluthochdruck, Leber- oder Nierenerkrankungen.
  • Nehmen Sie Triptane erst ein, wenn die Kopfschmerzphase beginnt, dann aber so früh wie möglich. Während der Auraphase sollten diese Wirkstoffe nicht verabreicht werden. Grund dafür ist, dass sie nicht in der Lage sind, die Symptome der Aura direkt zu beeinflussen. Auch können sie die Symptome der Migräne nicht effektiv verbessern, wenn sie zu früh vor der Kopfschmerzphase gegeben werden. Darüber hinaus wird während der Auraphase eine Verengung bestimmter Gehirngefäße als mögliche Ursache angenommen. Gefäßverengende Wirkstoffe wie Triptane können in dieser Phase deshalb zu einer Verstärkung der Symptome führen.
  • In keinem Fall dürfen Triptane in Verbindung mit Ergotaminen verabreicht werden. Da sowohl Ergotamine als auch Triptane zu einer Gefäßverengung führen, kann durch eine Überlagerung der beiden Wirkstoffe eine gefährliche Addition der gefäßverengenden Wirkung zustande kommen. Da Ergotamine in der Migränetherapie jedoch ohnehin der Vergangenheit angehören, dürfte dieses Problem kaum noch auftreten. Dies könnte höchstens mal auf Patienten mit Clusterkopfschmerz zutreffen, die in Ausnahmefällen eventuell Ergotamine verwenden.
  • Da die Triptane eine begrenzte Wirkzeit haben, treten bei circa 30 Prozent der behandelten Patienten nach Abklingen der Wirkzeit erneut Migränesymptome auf. Dieser sogenannte Wiederkehrkopfschmerz lässt sich aber mit einer erneuten Dosis erfolgreich behandeln. Wichtig: Dies bedeutet nicht, dass die Migräneattacke aufgeschoben oder verlängert wird! Es gilt die Faustregel, dass die Dosis einmal pro Tag wiederholt werden kann. Wenn Sie an einem Tag mehr als zweimal zu dem Medikament greifen, müssen Sie mit Ihrem Arzt ein neues Therapiekonzept erarbeiten, das zu einer besseren Wirksamkeit führt. Es empfiehlt sich dann die Wahl eines langwirkenden Triptans, wie z.B. Almotriptan, Naratriptan oder Frovatriptan. Auch die Kombination mit einem langwirksamen sog. COX-2-Hemmer (z.B. Arcoxia 120 mg) oder einem NSAR (z.B. Naproxen 500 mg) kann die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Wiederkehrkopfschmerzen reduzieren.
  • Unabhängig von der Höhe der Dosis sollten Sie unbedingt beachteten, dass Sie das Mittel pro Monat an nicht mehr als 10 Tagen einnehmen, da sonst die Gefahr eines Dauerkopfschmerzes aufgrund Medikamentenübergebrauchs besteht.
  • Patienten mit einer hohen Attackenfrequenz sind oft unsicher, ob sie bei Beginn der Kopfschmerzen bereits das Triptan einnehmen sollen. Sie stehen dann im Konflikt, einerseits sehr früh in der Attacke das Medikament nehmen zu sollen, andererseits auch umsichtig im Hinblick auf die Obergrenze der Einnahme an 10 Tagen pro Monat vorzugehen. Aus diesem Grunde wurde eine Checkliste, die sog. „Triptanschwelle“ (siehe Download-Box rechts oben) entwickelt, mit deren Hilfe man den genauen Einnahmezeitpunkt individuell ermitteln kann.
  • Der Hersteller empfiehlt, Triptane nur bis zu einem Alter von 65 Jahren zu verabreichen. In Absprache mit dem behandelnden Arzt und nach kardiologischer Abklärung spricht nichts gegen einen Einsatz von Triptanen auch jenseits dieses Alters. Es liegen mittlerweile auch Studien für den Einsatz von Sumatriptan und Zolmitriptan als Spray bei Jugendlichen zwischen dem 12. und 18. Lebensjahr vor. Diese ergaben kein erhöhtes Risiko in dieser Altersgruppe. Bei Kindern unter der Altersgrenze von 12 Jahren sollten Triptane allerdings nicht verabreicht werden.
  • Typische Nebenwirkungen der Triptane sind ein leichtes, allgemeines Schwächegefühl und ein ungerichteter Schwindel, Missempfindungen, Kribbeln, Wärme- oder Hitzegefühl und leichte Übelkeit. Sehr selten können auch ein Engegefühl im Bereich der Brust sowie im Halsbereich auftreten. In aller Regel sind die Nebenwirkungen mild und verschwinden von selbst wieder.