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Tag-Archiv für 'Studie'

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Herzinfarkt, Schlaganfall und Migräne

Neue Studie: Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall durch Migräne erhöht

Besteht eine Migräne mit Aura und liegen bestimmte Genkonstellationen vor, kann das Schlaganfallrisiko und das Risiko für Herzinfarkt bei Frauen um den Faktor 2 erhöht sein. Interessanterweise ist das Bestehen einer Migräne mit Aura nicht allein für ein erhöhtes Schlaganfallrisiko verantwortlich, wenn nicht eine spezielle Genkonstellation zusätzlich vorliegt.

Prof. Göbel: Nur rund 10% der Migränepatienten leiden an einer Migräne mit Aura, der Großteil von 90% der Betroffenen weist Attacken einer Migräne ohne Aura auf. Die letztere große Gruppe zeigt in den Studien kein größeres Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall als die allgemeine Bevölkerung. Die Studienergebnisse zeigen jedoch, dass die Migräne mit Aura ein bedeutsamer Risikofaktor für die Entwicklung eines Schlaganfalls oder eines Herzinfarktes ist. Gerade diese Patienten erfordern daher eine gezielte Aufmerksamkeit bzgl. Erkennung von Risikofaktoren und für eine effiziente Behandlung der Migräne mit Aura.


Ausdauersport und Migräne

Ausdauersport und Migräne

Es gibt viele Möglichkeiten, über Verhalten die Migränehäufigkeit und die Schwere der Attacken zu reduzieren. Bewegung in der frischen Luft und Ausdauersportarten sind dabei wichtige Möglichkeiten. Einzelfallbeobachtungen können dabei helfen, die Bedeutung von Freizeitsport und Ausdauertraining besser zu verstehen.

Falls Sie ähnliche Beobachtungen gemacht haben wie zum Beispiel

  • regelmäßiger Ausdauersport führt zu einer Verbesserung der Migräne,
  • stresshafte Situationen können durch sportliche Aktivitäten ausgeglichen werden,

und wenn Sie den Eindruck haben, dass solche Maßnahmen Ihre Kopfschmerzen verbessern, dann beschreiben und kommentieren Sie Ihre Beobachtungen und Meinungen.


Klima und Kopfschmerzen

Klimafaktoren und Kopfschmerzen

Die Zeitschrift Neurology, das wissenschaftliche Journal der American Academy of Neurology, publizierte am 10. März 2009, dass Hitze und niedriger Luftdruck zu einem erhöhten Auslöserisiko für Kopfschmerzen führen. Luftverschmutzung hat jedoch keinen bedeutsamen Effekt auf von Kopfschmerzen. In der Studie wurden über 7.000 Personen untersucht, die an Kopfschmerzen erkrankt waren und sich in eine Notfallambulanz wegen Kopfschmerzen während eines Zeitraums von 7 Jahren vorstellten. Die Wissenschaftler untersuchten Wetterbedingungen wie Temperatur, Luftdruck, Luftfeuchtigkeit und Luftverschmutzung sowie weitere Wetterfaktoren drei Tage vor dem jeweiligen Aufsuchen der Notfallambulanz.

Die Studienergebnisse belegen ebenso wie bereits frühere Studien, dass höhere Temperaturen und niedriger Luftdruck zu einer erhöhten Auslösbarkeit von Kopfschmerzattacken führen kann, jedoch eine erhöhte Luftverschmutzung keine deutliche Verbindung zur Triggerbarkeit von Kopfschmerzen hat. Interessanterweise spielte dabei nicht die gefühlte Temperatur durch die Patienten eine Rolle, sondern die mit Messgeräten in der Region erfasste Temperatur. Die Studienergebnisse bestätigen insgesamt viele persönliche Beobachtungen von Migränebetroffenen hinsichtlich der möglichen Auslösbarkeit von Kopfschmerzen im Zusammenhang mit bestimmten Wetterlagen. In einer weiteren großen Studie aus Kanada zeigten sich ähnliche Ergebnisse. Der plötzliche Anstieg der Lufttemperatur um 5° und ein Luftdruckabfall zeigten sich dabei als deutliche Auslöser (Triggerfaktoren) von Kopfschmerzen.

Prof. Göbel kommentiert die Ergebnisse: Die Studie weist deutlich darauf hin, dass Umweltfaktoren für die Auslösung von Kopfschmerzen mitverantwortlich gemacht werden können. Gerade bei entsprechenden Wetterveränderungen ist es wichtig, dass Migränepatienten sorgfältig Verhaltensregeln einhalten. Dazu gehören ein regelmäßiger Tagesablauf, die Einnahme von Mahlzeiten zu festen Zeiten, regelmäßige Pausen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr sowie Zeiten für Entspannung.


Schlaganfallrisiko während Schwangerschaft

Migräne erhöht Schlaganfallrisiko während Schwangerschaft

In einer aktuellen amerikanischen Studie (publiziert auf der Webseite des British Medical Journal, 11. März 2009) wird beschrieben, dass Frauen die an Migräne leiden ein erhöhtes Schlaganfallrisiko während der Schwangerschaft haben. Ein erhöhtes Risiko besteht auch für andere Gefäßerkrankungen wie koronare Herzerkrankung, erhöhter Blutdruck und Thrombosen. Insgesamt sind diese Ereignisse jedoch sehr selten.

Die Daten wurden von über 18 Millionen Frauen erhoben, die in Krankenhäusern der USA behandelt worden sind. 33.956 Schwangere mit einer Migränediagnose wurden im Zeitraum von 2000 bis 2003 untersucht.

Migräne bestand bei bis zu 26 % im gebärfähigen Alter. Im Alter zwischen 35 und 39 Jahren findet sich Migräne in einer Häufigkeit von rund 33%. Die Studie beschreibt, dass Frauen im Alter von 40 Jahren und höher 2,4mal häufiger an Migräne leiden als Frauen im Alter unter 20 Jahren.

  • Wenn Frauen während der Schwangerschaft an Migräne leiden, besteht ein bis zu 15-fach erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall im Vergleich zu Nicht-Migränepatientinnen.
  • Ebenso zeigte sich ein dreifach erhöhtes Risiko für Thrombosen und
  • ein doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkte.

Vaskuläre Risikofaktoren zeigten sich auch sehr eng mit der Migräneerkrankung assoziiert. Solche Risikofaktoren schließen Diabetes, erhöhten Blutdruck und Rauchen ein. Die Daten bestätigen frühere Studienergebnisse. Diese zeigten, dass Migräne und Schwangerschaft mit einem 17-fach erhöhten Risiko für Schlaganfall verbunden sind. Dabei muss jedoch deutlich betont werden, dass das Schlaganfallrisiko insgesamt während der Schwangerschaft niedrig ist. Bei 100.000 Geburten treten vier Schlaganfälle auf. Die Wahrscheinlichkeit ist also rund 1:25.000. Die Studiendaten zeigen jedoch, dass es wichtig ist, dass schwangere Frauen sorgfältig hinsichtlich Risikofaktoren für vaskuläre Erkrankungen untersucht und beraten werden.

Die Autoren vermuten, dass der Zusammenhang in einer Wechselwirkung zwischen Migräne und den schwangerschaftsbedingten Körperveränderungen erklärt werden kann. Diese schließen insbesondere ein erhöhtes Blutvolumen und eine erhöhte Herzfrequenz mit verstärktem Stress im vaskulären System ein.

Prof. Göbel kommentiert die Ergebnisse: Die Studiendaten zeigen, dass das Risiko für vaskuläre Komplikationen wie Thrombosen, Herzinfarkt oder Schlaganfall durch die Schwangerschaft erhöht wird. Das Risiko ist für Migränepatientinnen deutlich erhöht, auch wenn es insgesamt niedrig ist. Ärzte, die Patientinnen während der Schwangerschaft betreuen, sollten bei vaskulären Symptomen in Verbindung mit einer Migräneanamnese sorgfältige Aufmerksamkeit aufwenden, damit mögliche Komplikationen frühzeitig vermieden werden. Umgekehrt ist es von hoher Bedeutung, dass Schwangere, die an Migräne erkrankt sind, eine sorgfältige Migränediagnose erhalten und eine bestmögliche Therapie der Migräne erfolgt.


Entwicklung CGRP-Antagonist angehalten

Entwicklung CGRP-Antagonist MK-3207 angehalten

Dr. Silberstein, Prof. Goadsby, Dr. Dodick

Dr. Silberstein, Prof. Goadsby, Dr. Dodick

Während des Internationalen Kopfschmerzkongresses am 10.09.2009 in Philadelphia, USA, wurden zahlreiche neue Daten zur Entwicklung der CGRP-Antagonisten MK-0974 und MK-3207 vorgestellt. Es handelt sich dabei um zwei in klinischen Forschungsprogrammen befindliche CGRP-Antagonisten für die Behandlung der Migräne. CGRP-Antagonisten werden als die entscheidende Neuerung in der Behandlung der Migräne der kommenden Jahre angesehen. Überraschend wurde jedoch die Entwicklung des Wirkstoffes MK-3207 angehalten. Weiterführende Studien der Phase IIb und III werden nicht auf den Weg gebracht. Die Wirksamkeit in den bisherigen Studien wurde belegt. Aus den Untersuchungen wurde jedoch deutlich, dass in Einzelfällen verzögerte Erhöhungen der Leberwerte  auftreten können. Aufgrund dieser Situation wurde am 10.9.2009 die Entscheidung mitgeteilt, den CGRP-Antagonisten MK-3207 nicht weiter zu entwickeln.

Die Entwicklung wurde von den Wissenschaftlern auf dem Internationalen Kopfschmerzkongress bedauert, da damit eine Option für die Versorgung von Kopfschmerzpatienten weniger zur Verfügung steht, in die große Hoffnungen gesetzt wurde.

Gleichwohl wird die Entwicklung des CGRP-Antagonisten MK-0974 (Telcagepant) fortgeführt werden. Der Wirkstoff MK-0974  ist ebenfalls ein neuartiger CGRP-Rezeptorantagonist. Er besitzt eine neurartige Wirkungsweise indem er einerseits Migräneattacken kupieren kann, andererseits jedoch nicht zu einer Gefäßverengung führt und auch nicht über den Serotoninmechanismus funktioniert. CGRP und seine Rezeptoren werden in vielen Bereichen des Gehirns gefunden. CGRP ist für die Weiterleitung von Migräneschmerzen nach aktuellen Forschungsergebnissen entscheidend. Während der Migräneattacke bindet CGRP an den CGRP-Rezeptoren und aktiviert diese. Dadurch werden Schmerzsignale weitergeleitet. MK-0974 (Telcagepant) ist in der Lage, CGRP an den Rezeptoren zu blockieren und kann dadurch die Übertragung von Schmerzsignalen und Migräneattacken stoppen.

CGRP-Antagonisten in der klinischen Entwicklung

CGRP-Antagonisten in der klinischen Entwicklung

Die Herstellerfirma kündigte im April 2009 an, dass aufgrund von Leberwerterhöhungen bei einzelnen Patienten kein Zulassungsantrag für Telcagepant gestellt werden würde. Es handelt sich dabei jedoch um Studien zur Vorbeugung der Migräneattacken, wobei die Substanz zweimal pro Tag über drei Monate zur Migränevorbeugung langzeitmäßig eingesetzt worden ist. Dabei wurden bei drei Patienten ebenfalls Leberwerterhöhungen festgestellt. Allerdings war die Dosierung als auch die Häufigkeit der Anwendung in den Studien zur Vorbeugung der Migräne unterschiedlich zu den Studien, in denen das Arzneimittel zur Akutbehandlung einzelner Migräneattacken intermittierend eingesetzt wurde.

Die aktuelle Datenlage soll nun mit den Zulassungsbehörden diskutiert werden, um das weitere Vorgehen zu entscheiden.

Weitere Informationen

http://www.merck.com/newsroom/press_releases/research_and_development/2009_0910.html

Convention Center Philadelphia

Convention Center Philadelphia


Neu entdeckt: Dopamin-System und Migräne

Dopamin - Grundlage von Gefühlen

Aida, Radames, Amneris - Wut, Schmerz, Liebe, Gene: Dopamin

Dopamin ist ein Nervenbotenstoff. Er vermittelt Informationen zwischen Nervenzellen. Dopamin spielt eine wichtige Rolle in der Entstehung von Gefühlen, wie z.B. Freude, Glück, aber auch Angst und Schmerz. Der Dopaminvorrat ist beim Menschen individuell unterschiedlich. Bei hoher Konzentration reagieren Menschen emotionaler und intensiver. Im Alter sinkt die Dopaminkonzentration, vielleicht ein Grund dafür, warum mit dem Fortschreiten der Jugend Menschen ruhiger und weiser wirken – und vielleicht auch weniger Migräne haben?

In den letzten Jahrzehnten vermehrten sich die wissenschaftlichen Hinweise auf eine bedeutsame Rolle von Dopamin in der Entstehung der Migräne. Migränepatienten sind besonders empfindlich auf dopamin-ähnliche Wirkstoffe. Diese erzeugen bei ihnen Migräne-Ankündigungssymptome wie z.B. Gähnen, Müdigkeit, Übelkeit, Erbrechen und andere Migränesymtome. Dopamin-Blocker können dagegen erfolgreich zur Migränebehandlung eingesetzt werden. Gene des Dopaminsystems zeigen bei Migränepatienten zudem eine Reihe von Besonderheiten. Dopamin-Rezeptoren finden sich zahlreich im Bereich des Gehirns, dem sog. trigeminovaskulären System, in dem Migräneschmerz erzeugt wird.

In einer neuen großen internationalen genetischen Studie haben Forscher der Universität Köln, der Universität New York und der Schmerzklinik Kiel neue Belege für eine Verbindung zwischen Migräne und zwei Genen des Dopamin-Systems gefunden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Dopamin-Beta-Hydroxylase und das Dopamin-Transporter-Gen. Diese Befunde sind ein weiterer wichtiger Schlüssel für das Verständnis der Migräne-Entstehung und der Entwicklung neuer Therapieverfahren.

Todt U, Netzer C, Toliat M, Heinze A, Goebel I, Nürnberg P, Göbel H, Freudenberg J, Kubisch C. New genetic evidence for involvement of the dopamine system in migraine with aura. Hum Genet. 2009 Apr;125(3):265-79. Epub 2009 Jan 17. PubMed PMID: 19152006