Therapie-Chat der Schmerzklinik Kiel nach der Entlassung
Die nachhaltige Verhaltensänderung bei Patienten mit chronischen Schmerzen steht im Mittelpunkt moderner Schmerztherapie. Das Erlernte soll im Alltag umgesetzt und stetig geübt werden.
Multimodale stationäre Behandlungsprogramme haben sich als sehr wirksam erwiesen, schmerzlindernde Verhaltensänderungen einzuleiten. Das durch Therapeuten der Schmerzklinik Kiel moderierte Nachsorge-Chat im Internet dient zur Verbesserung der Nachhaltigkeit dieser Verhaltensänderungen. Für unsere Patientinnen und Patienten wird dazu in Zusammenarbeit mit der Universität Heidelberg und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung ein internet-gestütztes Nachsorgeprogramm im Anschluss an die stationäre Behandlung angeboten. Ein regelmäßiger Kontakt mit einem Schmerztherapeuten im Anschluss an die stationäre Behandlung sowie der Austausch mit anderen Betroffenen, die ähnliche Beschwerden haben, wirken sich positiv auf die Schmerzentwicklung aus.
Die Therapieergebnisse werden wissenschaftlich ausgewertet. Die Teilnahme ist freiwillig. Der Chat ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Zugang haben nur ehemalige Patientinnen und Patienten nach Anmeldung. Wir vergleichen die Wirksamkeit dreier unterschiedlicher Nachsorgeprogramme:
- eine therapeutisch geleiteten Chatgruppe mit Teilnahme einer Therapeutin
- eine Chatgruppe, ohne therapeutische Leitung (online Selbsthilfegruppe)
- eine Regelbehandlungsgruppe (kein Nachsorgeangebot)
Bei der therapeutisch geleiteten Chatgruppe treffen sich bis zu 10 Patienten nach Ende der stationären Behandlung über einen Zeitraum von 12-15 Wochen wöchentlich in einem Internet-Chatraum mit einem Schmerztherapeuten der Schmerzklinik Kiel, den sie während ihres stationären Aufenthaltes kennen gelernt haben. Vor jeder Chatsitzung wird ein individuell angepasster Fragebogen zur Förderung des Selbstmanagements vorgegeben. Dieser Fragebogen soll dabei helfen, die während der stationären Behandlung erlernten Verhaltensweisen im Alltag nicht zu vergessen und umzusetzen. Nach jeder Sitzung werden zudem Fragen zur Chatsitzung gestellt. Das Beantworten der Fragebögen dauert jeweils ungefähr 2-3 Minuten.
Die ersten Erfahrungen zeigen, dass die Patientinnen und Patienten sich sehr engagiert beteiligen und viele wichtige individuelle Erfahrungen austauschen. Das Chatprogramm hilft, die Behandlungsergebnisse zu optimieren und in ihrer Nachhaltigkeit zu fördern. Zudem trägt es dazu bei, neue Therapietechniken für die Zukunft zu entwickeln.
Veröffentlicht am
14. März 2009 in
Allgemein.
CGRP-Antagonisten: Die Nachfolger der Triptane?
Dr. Axel Heinze, Dr. Katja Heinze-Kuhn und Prof. Dr. Hartmut Göbel
Neurologisch-verhaltensmedizinische Schmerzklinik Kiel (www.schmerzklinik.de)
Die Einführung von Sumatriptans in die Migränetherapie veränderte ab 1991 nicht nur die Migränebehandlung entscheidend, sondern gab auch den Anstoß zu einer nie da gewesenen Ausweitung der Grundlagenforschung. Inzwischen stehen 7 verschiedene Triptane zur Verfügung, die Patienten mit schweren Migräneattacken noch helfen können, wenn alle Schmerzmittel versagen. Was aber genauso wichtig ist, unser Verständnis der Migräne hat sich in den letzten 20 Jahren immens vergrößert. Die Medizin setzt die Triptane nicht nur erfolgreich ein, sie kennt auch ihren Wirkmechanismus. ‘Neues gegen Migräne: CGRP-Antagonisten’ weiterlesen
Geburtsfehler und Topiramat
Das Antiepileptikum Topiramat hat sich auch in der Vorbeugung der Migräne als wirksam erwiesen. Im wissenschaftlichen Journal „Neurology” wurde eine Studie beschrieben die zeigt, dass bei Einnahme des Medikamentes Topiramat während der Schwangerschaft ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen bei Neugeborenen auftreten kann. Die Studie verdeutlicht, dass schwangere Frauen ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen ihrer Kinder erwarten müssen, wenn Topiramat eingenommen wurde.
Geburtsfehlbildungen sind bekannte Risiken, wenn antiepileptische Medikamente verwendet werden. Die Studie bringt daher keine überraschenden neuen Ergebnisse. Sie bestätigt jedoch, dass Frauen, bei denen eine Schwangerschaft auftreten kann, engmaschig hinsichtlich des Migräneverlaufes, der Verträglichkeit und Wirksamkeit der vorbeugenden Maßnahmen begleitet werden sollen. Migräne-Patientinnen, bei denen eine Schwangerschaft geplant ist, sollten immer ihren Arzt darauf hinweisen, damit bei Planung der Migräneprophylaxe entsprechende Überlegungen vorgenommen werden können.
Führt Migräne zu einem reduzierten Risiko für Brustkrebs?
Eine amerikanische Studie (Li et al, 2008) legt nahe, dass bei Frauen mit Migräne ein reduziertes Risiko für Brustkrebs besteht. In der Studie wurden 3.000 Frauen untersucht. 2.000 Frauen hatten in der Vorgeschichte eine Brustkrebserkrankung. Es zeigte sich, dass Frauen mit Migräne ein um 30% niedrigeres Risiko für Brustkrebs im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung aufweisen.
Die Autoren nehmen an, dass die Migräne und auch Brustkrebs eine hormonelle Grundlage haben. Östrogen ist dafür bekannt, dass es das Wachstum von hormonell sensitivem Brustkrebs stimulieren kann.
Die Interpretation der Studie ist jedoch durch eine Reihe von Schwäche eingeschränkt. Die Migränediagnose erforderte im Vorfeld eine ärztliche Untersuchung. Allerdings bekommen nach wie vor der größte Teil der Migränebetroffenen keine adäquate Diagnose oder behandeln sich selbst. Darüber hinaus ist die Studie auch durch die Anzahl der untersuchten Frauen limitiert. Bevor entsprechende Schlussfolgerungen gezogen werden, sollten weitere strenger kontrollierte Studien durchgeführt werden. Die untersuchten Frauen sind nicht repräsentativ für die Gesamtheit der Migränepatienten. Darüber hinaus gibt es auch einen Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Migräne sowie der Entstehung von Brustkrebs. Schwangerschaft kann sowohl gegen Brustkrebs als auch gegen Migräne schützend sein. Darüber hinaus ist aus neueren Studien bekannt, dass Progestagen und nicht Östrogen für die Entstehung von Brustkrebs bedeutsam ist.
Energiesparlampen und Migräne 
Die erhöhte Empfindlichkeit für Licht ist eines der speziellen Merkmale der Migräne. Schwere Migräneattacken finden hinter herabgelassenen Rollläden und in Dunkelheit statt. Helles Licht, Flimmern, starke Hell-Dunkel-Kontraste und andere Lichteffekte können Migräneattacken auslösen.
Bei einigen Migränepatienten können insbesondere Neonlicht und Energiesparlampen Migräneattacken triggern. Selbstverständlich werden alle Bemühungen, Energie zu sparen, auf das Äußerste unterstützt. Das komplette Verbieten jedoch von Glühbirnen zugunsten von sogenannten Energiesparlampen muss jedoch überdacht werden. Patienten mit epileptischen Anfällen, aber auch insbesondere Migränepatienten können durch solche Lichtquellen einem erhöhten Risiko für die Auslösung von Anfällen ausgesetzt sein.
Die komplette Verbannung von konventionellen Glühlampen sollte daher überdacht werden. Es sollten Ausnahmen möglich sein. Dies gilt insbesondere für die Nutzung von fluoreszierenden Lichtquellen am Arbeitsplatz in Verbindung mit Computerbildschirmnutzung. Problematisch ist auch die Tatsache, dass fluoreszierende Lampen nicht ohne weiteres durch Lichtdimmer in ihrer Helligkeit reduziert werden können.
Vitamin und Folsäure in der Vorbeugung von Migräne
Bereits in den 90er Jahren wurde von der Arbeitsgruppe von Jean Schoenen aus Belgien beschrieben, dass hochdosiertes Riboflavin, ein B-Vitamin, eine ähnliche Wirksamkeit in der Vorbeugung der Migräne wie Betarezeptorenblocker haben kann. Eine aktuelle Studie aus Australien zeigt ebenfalls, dass Vitamin B und Folsäure in der Vorbeugung der Migräne wirksam eingesetzt werden kann. In der Studie wurden 50 Migränepatienten untersucht. Sie erhielten über sechs Monate Vitamin B und Folsäure. Es zeigte sich eine deutliche Verbesserung der Kopfschmerzfrequenz, der Schmerzschwere und der Begleitsymptome der Migräne.
Frühere Studien zeigten, dass ein spezielles Gen mit Namen MYTHFR, welches Menschen für Migräneattacken empfindlich macht, zu höheren Blutspiegeln der Aminosäure Homocystein führt.
Der Autor der Studie, Prof. Lyn Griffiths, erklärte, dass die Studie auf der Annahme basierte, dass Vitamin B und Folsäure die erhöhten Homocystein-Spiegel reduziert und dadurch auch die Migräneschwere lindern kann.
Die Ergebnisse könnten bedeuten, dass dieses sehr verträgliche und sichere sowie darüber hinaus auch noch billige Therapieverfahren für die Migränevorbeugung hilfreich sein kann. Allerdings müssen die Ergebnisse noch in weiteren Studien bestätigt und erhärtet werden.
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