Migräne bei Kindern
Auf den folgenden Seiten möchte ich Ihnen schildern, auf welche Besonderheiten man bei der kindlichen Migräne achten muss, auf welche Weise sich am besten vorbeugen lässt und wie die medikamentöse Prophylaxe bei Kindern aussehen sollte.
Besonderheiten der kindlichen Migräneformen
Im Kindesalter gelten für die Migräne die gleichen diagnostischen Kriterien wie im Erwachsenenalter, jedoch mit der Ausnahme der kürzeren Attackendauer von zwei bis 72 Stunden. Neben den bei Erwachsenen auftretenden Begleitstörungen gibt es jedoch bei Kindern noch zusätzliche Begleitstörungen, die ebenfalls von diagnostischer Bedeutung sein können.
So bestehen bei den betroffenen Kindern während der Attacke Herzrasen, Blässe oder Hautrötung, Befindensveränderungen, Durst, Appetit, Harndrang oder Müdigkeit. Sie können erhöhte Temperaturen aufweisen, können gähnen oder unruhig sein und geben auch in anderen Körperregionen Schmerzen an, insbesondere im Bauchbereich. Im Vordergrund stehen auch Störungen wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und verstärkte Abwehrspannung der Bauchdecke.
Aurasymptome können genauso wie bei Erwachsenen ausgeprägt sein und in ihrer ganzen Vielfalt auftreten. Parallel zum Erwachsenenalter stehen besonders visuelle Störungen im Vordergrund. In der Literatur wird die Häufigkeit der visuellen Aura bei Migräneattacken im Kindesalter zwischen 9 und 50 % angegeben. Weitere häufige Aurasymptome sind Lähmungen, Empfindungs- und Sprachstörungen.
Migräneähnliche Störungen
Migräneähnliche Störungen, so genannte Migräneäquivalente, treten bei Kindern im Magen-Darm-Bereich auf. Typischerweise besteht die Symptomatik in Übelkeit, Erbrechen, Unwohlsein, Darmbewegungen oder weiteren unspezifischen Symptomen, wobei keine Kopfschmerzen zusätzlich auftreten. Zeigen sich solche Störungen periodisch, so sollte man stets auch an die Möglichkeit eines Migräneäquivalents denken. Wenn hingegen neurologische Störungen im Sinne einer Migräneaura ohne Kopfschmerzphase auftreten, so spricht man nicht von einem Migräneäquivalent, sondern von einer Migräneaura ohne Kopfschmerz.
Mögliche Attacken-Auslöser
Gerade bei Kindern ist es wichtig, dass die Therapie nicht allein auf die Behandlung von Symptomen ausgerichtet ist. Sie muss vielmehr das seelisch-körperliche Gleichgewicht erhalten oder wieder herstellen, die Organismusfunktionen stärken und möglichen Krankheitsmechanismen vorbeugen.
Wenn Ihr Kind von Migräne betroffen ist, sollten Sie das Zusammenspiel von Seele, Geist und Körper eingehend unter die Lupe nehmen. Dazu gehören Faktoren wie Umwelt, soziale Umstände, Lebenseinstellungen, Stress, Lebensgewohnheiten und die Ernährung. Im Folgenden möchte ich Ihnen einige Faktoren nennen, die als Auslöser der kindlichen Migräne in Frage kommen. Sollten Sie feststellen, dass das eine oder andere im Zusammenhang mit der Migräne Ihres Kindes stehen könnte, so können Sie meist durch einfache Maßnahmen eine Änderung herbeiführen.
Ganz wichtig: Der Blutzuckerspiegel
Bei plötzlichen Schwankungen des Blutzuckerspiegels können gerade im Kindesalter Migräneanfälle ausgelöst werden. Ein zu stark erniedrigter Blutzuckerspiegel (Hypoglykämie) ist immer dann zu erwarten, wenn das Kind ausgeprägt Sport treibt oder sich einfach viel bewegt und dabei zu wenig Nahrung zu sich nimmt bzw. Mahlzeiten auslässt, wenn es extrem lange schläft, wenn Nahrungsmittelallergien oder –unverträglichkeiten vorliegen oder das Kind zuckerkrank ist und zu hohe Insulindosen gespritzt bekommt.
Im Falle des zuckerkranken Kindes müsste mit dem Arzt die Insulindosis neu besprochen werden. Für alle anderen Fälle gilt: Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind häufig kleine aber ernährungsphysiologisch ausgewogene Mahlzeiten zu sich nimmt. Die Mahlzeiten sollten sich möglichst aus so genannten “komplexen Kohlenhydraten” zusammensetzen. Dazu zählen Vollkornprodukte, Nudeln, Kartoffeln und Reis. Auch sollten Nahrungsmittel eiweißreich sein und möglichst ungesättigte Fettsäuren beinhalten. Ebenfalls wichtig: Viel Gemüse.
Kinder, die nach langen Schlafperioden Migräneattacken erleiden, sollten kurz vor dem Zubettgehen noch eine kleine kohlenhydratreiche Mahlzeit bekommen (z.B. feingemahlenes Bircher-Benner-Müsli).
Körperlicher Stress
Ein wichtiger Auslöser von Migräneanfällen bei Kindern ist körperlicher Stress. Er entsteht, wenn Kinder unregelmäßig zu Bett gehen, wenn sie exzessiv Sport treiben, sich unregelmäßig ernähren, aber auch durch schwüles Wetter, große Hitze, plötzliche Wetterveränderungen, schlecht gelüftete Räume, überhitzte Aufenthaltsbereiche, starke Gerüche, plötzlich veränderte Lichtverhältnisse, Lärm, Kälte und Windzug. Gegen das Wetter lässt sich nicht viel machen. Wohl aber gegen die übrigen genannten Faktoren. Versuchen Sie, das Leben Ihres Kindes so regelmäßig zu gestalten wie möglich. Sollte Sport der auslösende Faktor sein, bieten sich Sportarten wie Schwimmen, Laufen oder Biken an, die zu weniger starken Leistungsspitzen führen als beispielsweise Fußball.
Psychischer Stress
Ein unregelmäßiges Leben, Anspannung, Ängste, Leistungsdruck und psychische Überlastung sind ganz wesentliche Auslöser für Migräneanfälle bei Kindern. Allzu häufiges und langes Fernsehen, exzessive Computerspiel-Sessions, laute und aufpeitschende Musik sowie extrem viele Termine am Nachmittag lösen bei vielen Kindern Migräneanfälle aus. Auch wenn Ihr Kind rebelliert: Sorgen Sie für Gleichmaß durch
- eine strenge Begrenzung des täglichen Medienkonsums mit möglichst festen und limitierten Fernsehzeiten,
- ein ebenso limitiertes Verweilen am Computer,
- Beschränken von Freizeit- oder Nachmittagsveranstaltungen auf wenige, aber regelmäßige Aktivitäten sowie
- fest eingeplante Ruhephasen zur Erholung mit Spaziergängen oder Spielen in ruhiger Umgebung.
Ernährungsfaktoren
Speisen oder Getränke können unmittelbar Kopfschmerzen auslösen. Andere Substanzen können bei Entzug Kopfschmerzen auslösen. Ebenfalls möglich ist ein Mangel an bestimmten Nahrungsbestandteilen. Aus diesem Grunde sollten Sie der richtigen Ernährung viel Aufmerksamkeit widmen.
In einer englischen Studie wurden die bedeutsamsten Auslöser von Migräneattacken bei Kindern zwischen dem 3. und 18. Lebensjahr im Bereich der Ernährung untersucht. Sieben Nahrungsmittel lösen danach besonders häufig Kopfschmerzen aus (in Klammern der Prozentsatz betroffener Kinder):
- Kuhmilch (30 %)
- Eier (27 %)
- Schokolade (25 %)
- Orangen (24 %)
- Weizenprodukte (24 %)
- Käse (15 %)
- Tomaten (15 %)
Es zeigte sich, dass der überwiegende Anteil der Kinder auf mehrere Nahrungsmittel empfindlich reagiert. Die Studie erbrachte aber noch eine weitere ermutigende Botschaft: 93 Prozent der untersuchten Kinder wurden innerhalb von drei Wochen komplett beschwerdefrei, wenn die entsprechenden Nahrungsmittel nicht mehr konsumiert wurden. Im Folgenden weitere Nahrungsmittel, die Migräne-Attacken auslösen können.
Eiscreme und andere Kaltspeisen
Kalte Speisen wie Eiscreme, aber auch eisgekühlte Getränke, können Schmerzen am Gaumen, im Bereich der Stirn, der Nase, der Schläfen, der Wangen und auch im Bereich der Ohren verursachen. Man spricht dann vom so genannten “Eiscremekopfschmerz”. Dieser ist zwar einerseits ein eigenständiger Kopfschmerz, kann jedoch auch dazu führen, dass Migräneattacken ausgelöst werden.
Wenn Ihr Kind eine solche Anfälligkeit hat, sollten Sie darauf achten, dass es kalte Speisen nur langsam und bedächtig verzehrt und eisgekühlte Getränke ganz vermieden werden.
Natriumglutamat
Natriumglutamat befindet sich als Geschmacksverstärker in Saucen, Suppen, Maggi, Mayonnaisen, Salatdressings, Kartoffelchips, Tiefkühlkost, gerösteten Nüssen und vielen konservierten Nahrungsmitteln. Natriumglutamat kann einerseits Migräneattacken auslösen, aber auch Symptome wie Erröten, Druckschmerz auf der Brust, Gesichts- und Bauchkrämpfe.
Koffein
Koffein ist unter anderem enthalten in Schokolade, koffeinhaltigen Limonaden (z.B. Coca Cola) und selbstverständlich Kaffee und Schwarztee. Koffein kann insbesondere in kleinen Mengen aufgrund der nicht regelmäßigen Einnahme bei Kindern zu Migräneschmerzen führen.
Pökelsalz (Nitrit und Nitrat)
Nahezu alle Fleischprodukte enthalten Natriumnitrat bzw. Natriumnitrit. Dieses als Pökelsalz bekannte Konservierungs- und Geschmacksmittel führt zu einer leichten Rötung der Fleisch- und Wurstwaren und kann bei entsprechend empfindlichen Kindern Kopfschmerzen auslösen. Enthalten ist es insbesondere in Schinken, Kasseler, bestimmten Aufschnitten und Salami.
Aminosäuren
Als Migräneauslöser verdächtig ist vor allem die Aminosäure Tyramin. Sie ist in hoher Konzentration in Hering, Trauben, Tomaten, Kohl, Rotwein, gealtertem Käse, Zitrusfrüchten, Nüssen, Hefeprodukten, Feigen, Sojabohnen, Rosinen und geräucherten Fleischwaren enthalten. Schokolade enthält neben dem bereits beschriebenem Koffein auch Tyramin, vor allem aber die Aminosäure Phenylalanin in hoher Konzentration. Auch Phenylalanin kann zu einer Störung der Gefäßregulation im zentralen Nervensystem führen und Migräneattacken auslösen. Es wird angenommen, dass bei migräneanfälligen Kindern der Abbau dieser Aminosäuren verlangsamt ist und daher durch zu hohe Konzentrationen Kopfschmerzen ausgelöst werden.
Spurenelemente, Vitamine, Mineralstoffe
Bei einer ausgeglichenen Nahrungsmittelzufuhr sollte ein Mangel an Spurenelementen, Vitaminen und Mineralstoffen eigentlich nicht vorkommen. Doch die moderne Ernährung mit Fastfood und stark bearbeiteten Nahrungsmitteln kann leicht zu einem Mangel an B-Vitaminen, Eisen und Magnesium führen. Neben Kopfschmerzen können dann Nervosität, Reizbarkeit, Müdigkeit, Vergesslichkeit, Stimmungsschwankungen, Muskelschwäche sowie Kribbeln in Händen oder Füßen auftreten. Der Arzt kann über das Blutbild und eine direkte Bestimmung der Konzentration von Vitamin B6, Vitamin B12 und Folsäure einen Mangel leicht feststellen.
Bei jungen Mädchen können bei Einsetzen der Regelblutungen auch Eisenmangelsymptome bestehen. Dazu zählen neben Kopfschmerzen Schwindel, Gewichtsabnahme, Blutarmut, Verstopfung, verminderter Appetit und allgemeine Schwäche.
Magnesium ist insbesondere für die Erregbarkeit von Zellen im Nervensystem und im Gesamtorganismus von sehr großer Bedeutung. Reduzierte Magnesiumspiegel können zu einer deutlichen Müdigkeit, Reizbarkeit, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit und Muskelkrämpfen führen.
Liegen entsprechende Störungen vor, empfiehlt sich eine Therapie mit einem Multivitaminpräparat. Dieses sollte idealerweise auch Eisen beinhalten und dadurch auch die Eisenvorräte entsprechend wieder aufbauen. Bei Magnesiummangel kann ein magnesiumhaltiges Präparat über vier Wochen regelmäßig verabreicht werden.
Darauf sollten Sie beim Essen achten
- Ihr Kind sollte langsam und in Ruhe essen und dabei gründlich kauen. Für die Hauptmahlzeiten sollte man sich mindestens 40 Minuten Zeit nehmen.
- Die alte Regel “es wird gegessen, was auf den Tisch kommt” ist völlig falsch. Sobald Ihr Kind satt ist, sollte es mit dem Essen aufhören dürfen, auch wenn der Teller noch nicht leer ist.
- Das Essen sollte feste Zeiten haben. Dazu gehören bei Kindern auch Zwischenmahlzeiten am Vormittag und am Nachmittag. Sonstige Kühlschrankbesuche und Naschen außerhalb dieser Zeiten sollten Sie unterbinden.
- Die Nahrung sollte möglichst leicht bekömmlich, gut zubereitet und gut verdaulich sein.
- Am Abend keine Festmahle mehr. Bei Feierlichkeiten ist das natürlich schwer durchzuhalten. Doch denken Sie dran: Die Quittung folgt eventuell am nächsten Tag mit einer Migräneattacke.
- Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind reichlich trinkt, am besten Mineralwasser und Kräutertees. Kinder vergessen das Trinken oft.
- Letzter aber wichtigster Punkt: Achten Sie darauf, dass Ihr Kind keine Mahlzeit auslässt. Durch drei feste Hauptmahlzeiten und zwei bis drei fest eingeplante Zwischenmahlzeiten am Tage können ein konstanter Blutzuckerspiegel gehalten und Migräneattacken vermieden werden.
Chemische Reizstoffe
Viele chemische Substanzen können bei übermäßiger Einwirkung Kopfschmerzen oder Migräneattacken auslösen. Folgende Stoffe sind besonders häufig Kopfschmerzauslöser:
- Autoabgase
- Zementstaub
- Kohlenstaub
- Farbstoffe
- Fabrikabgase
- Chlorkohlenwasserstoffe
- Formaldehyd
- Lösungsmittel in Klebstoffen, auf Farben und anderen Materialien (auch in vielen Bastelklebern)
- Mehlstaub
- Insektizide
- Benzin und Ölprodukte
- Organische Phosphatverbindungen
- Parfums
- Deodorants
- Holzstaub
Allergische Reaktionen
Heuschnupfen als allergische Reaktionen auf Pflanzenpollen tritt in zeitlicher Abhängigkeit von der jeweiligen Blütezeit auf. Bestehen dagegen permanente Reizerscheinungen, dann müssen allergische Reaktionen pollenähnlicher Stoffe die Ursache sein. Dazu zählt insbesondere die Allergie auf den Kot der Hausstaubmilbe, die sogenannte “Hausstauballergie”. Weitere häufige Allergien bestehen für Katzenhaare, Vogelfedern und Schimmelpilze. Neben Kopfschmerzen zeigen sich häufig Tränenfluss, gerötete Augen, laufende oder verstopfte Nase, Juckreiz und Niesanfälle. Bei entsprechenden Symptomen sollte ein erfahrener Allergologe aufgesucht werden, um eine spezifische Testung und Therapie einzuleiten.
Gerüche
Kinder sind besonders sensibel für intensive Gerüche. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Gerüche normalerweise als unangenehm oder angenehm empfunden werden. Geruchsstoffe mit Kopfschmerz auslösenden Subsanzen befinden sich im Tabakrauch, Raumdeodorants oder auch Parfums.
Lichtveränderungen
Auch ständig wechselnde Lichtverhältnisse können Migräneanfälle auslösen. Oft wird – gut gemeint – der Schreibtisch des Kindes vor einem Fenster aufgestellt, damit das Kind möglichst natürliches Licht für die Arbeit an den Hausaufgaben hat. Doch die ständige Anpassung an die Hell-Dunkel-Situation – der Wechsel von Sonne und Wolken, beim Hinausblicken und wieder zurück auf das Matheheft – ist ein permanenter Stressfaktor für das Nervensystem. Aus diesem Grunde sollte der Schreibtisch immer an eine Wand gestellt werden und der Einfall von direktem Sonnenlicht auf den Arbeitsplatz vermieden werden.
Ähnliche Probleme treten auf beim Blick auf glitzerndes Wasser, Schneeglitzern, Autofahrten mit Blick in das direkte Sonnenlicht sowie das Flackerlicht in Diskotheken (vor allem in Verbindung mit Lärm).
Wenn Ihr Kind besonders häufig in der Schule Migräneanfälle hat, sollten Sie einmal den Sitzplatz Ihres Kindes in der Schule in Augenschein nehmen und dabei auf möglicherweise ungünstige wechselnde Lichtverhältnisse achten.
Äußerer Druck
Kopfschmerzen können auch bei Kindern durch äußeren Kopfdruck ausgelöst werden, z.B. durch Haarbänder und -reifen, Stirnbänder, Mützen, Schwimmbrillen oder Ähnliches.
Medikamente: Kinder brauchen eine Sonderbehandlung
Hinsichtlich der Behandlung mit Medikamenten ergeben sich deutliche Unterschiede zum Erwachsenenalter. So ist es gerade im Kindesalter zwingend notwendig, dass die Medikation zum frühestmöglichen Zeitpunkt erfolgt.
Man beginnt zunächst mit der Gabe eines
- Medikamentes gegen Übelkeit – Domperidon (10 mg oral oder als Zäpfchen),
um eine verbesserte Resorption und Wirkung des Schmerzmittels und gleichzeitig gegen Übelkeit und Erbrechen vorzugehen. Die Dosierung muss bei Kindern besonders vorsichtig erfolgen, da schwere Muskelfunktionsstörungen als Nebenwirkung auftreten können. Dies gilt um so mehr bei Einsatz von Metoclopramid, weshalb Domperidon hier das Mittel der Wahl ist.
Etwa 15 Minuten danach können Sie Ihrem Kind ein Schmerzmittel geben. Hier empfiehlt sich bei Kindern unter 12 Jahren in erster Linie Paracetamol. Wenn Paracetamol nicht ausreichend wirksam ist, kann auch Dihydroergotamin in Tablettenform (2 mg) eingesetzt werden.
Leidet Ihr Kind unter ausgeprägter Übelkeit und Erbrechen, sollten Sie ihm das Mittel gegen Übelkeit sowie das Schmerzmittel als Zäpfchen geben.
Wichtig: Ergotamintartrat und Sumatriptan sind im Kindesalter nicht angezeigt.
Medikamentöse Prophylaxe
Die medikamentöse prophylaktische Therapie im Kindesalter gestaltet sich noch schwieriger und komplizierter als beim Erwachsenen. Sollte das Kind aber häufig unter Migräne leiden und zudem sehr darunter leiden, so sollten Sie mit dem Arzt eine prophylaktische Medikamenteneinnahme besprechen. Dabei gilt es immer zu bedenken, dass Nebenwirkungen der in Frage kommenden Mittel im Kindesalter häufiger und schwerer sind als im Erwachsenenalter.
Was für die medikamentöse Prophylaxe des Erwachsenen gilt – möglichst nur ein Präparat – gilt im Kindesalter besonders. Verschiedene Medikamente sollten nicht in Kombination geben werden. Die wichtigsten Prophylaxemittel für das Kind sind
- Betablocker, wie z.B. Metoprolol oder Propranolol
- Cyclandelat
- Pizotifen
Wie die Therapie im Einzelnen auszusehen hat, müssen Sie mit einem erfahrenen Arzt besprechen. Eine Liste von Anlaufstellen, die Ihnen in der Schmerztherapie erfahrene Ärzt in Ihrer Nähe nennen können, finden Sie unter Schmerzspezialisten vor Ort.
Bevor eine medikamentöse Prophylaxe beim Kind erwogen wird, sollten jedoch alle anderen Möglichkeiten der verhaltensmedizinischen Vorbeugung intensiv ausprobiert werden. In der Regel sind diese Methoden bei null Nebenwirkungen mindestens ebenso wirksam wie die medikamentöse Methode.



