Eine Betroffene

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Ein typischer Fall

Niemand, der nicht selbst unter Migräne leidet, kann das Leiden so gut schildern wie ein Betroffener. Damit auch Gesunde einen Eindruck bekommen, was Migräne bedeutet, lassen wir hier eine Patientin zu Wort kommen und hören ihr aufmerksam zu:

Anneliese

Anneliese

„Seit Jahren hoffe ich, dass Ärzte mir bei meinen Kopfschmerzen helfen können. Ich bin jetzt 54 Jahre alt, führe eine harmonische Ehe und bin in einem zufriedenstellenden Arbeitsverhältnis. Seit meinem 10. Lebensjahr bis heute habe ich immer wieder Kopfschmerzen gehabt. Die Schmerzanfälle wurden mit zunehmendem Alter intensiver, der Schmerz härter und pochender. Meistens tritt der Schmerz halbseitig links am Kopf auf. Immer sind der Hinterkopf, der Haaransatz, die Stirn und die Schläfe betroffen, manchmal auch der Schulteransatz und der gesamte Kopf.

Die Attacken treten speziell am Wochenende auf. Ich muss dann das gesamte Wochenende im Bett liegen, ziehe die Vorhänge zu und ich kann vor lauter Elend zwei Tage lang nichts essen. Meistens beginnen die Kopfschmerzen morgens zwischen 3 und 5 Uhr, egal, ob ich arbeite oder Urlaub habe, egal, ob ich viel oder wenig arbeiten muss, egal, ob ich regelmäßig oder unregelmäßig esse, egal, ob es regnet, ob die Sonne scheint, ob es kalt, ob es warm ist, oder das Wetter wechselt. Ich meide generell Alkohol, Zigaretten, Gewürze, Wein und Schokolade.

Ich esse gern Süßes, wie Kompott, Obst, Kuchen, manchmal brauche ich sogar Süßes. Wenn ich mich übergebe, fühle ich mich etwas wohler, jedoch ist der Schmerz nicht weg. Seit dem 10. Lebensjahr nehme ich Medikamente. EEG und Computertomographie haben die Ursache nicht aufdecken können.

Krankengymnastik und Massagen haben kurzfristig etwas gebessert, Akupunktur blieb ohne Wirkung. Die Kopfschmerzattacken dauern selten nur 24 Stunden, meistens 48 Stunden und immer häufiger bis zu 72 Stunden. Die Attacken nehmen zu, es treten jetzt etwa einmal pro Woche solche Schmerzen auf.

Immer wieder muss ich wegen meiner Kopfschmerzen krankgeschrieben werden, im letzten Jahr sogar einmal für sechs Monate, weil die Attacken so häufig auftraten, dass es nicht mehr anders weiter ging. Eine sechswöchige Kur mit Spritzen, Krankengymnastik, Moorpackungen und Entspannungstherapie war wohltuend, aber der Kopfschmerz tritt weiter auf. Und die Ursache konnte nicht ermittelt werden. Warum muss ich mit dieser Folter leben? Gibt es keinen Ausweg? Was kann ich tun, wohin kann ich mich wenden? Ich bin sehr verzweifelt. So kann und will ich nicht mehr weiterleben…“