Anfallsbehandlung

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Verhaltensregeln

Im Gegensatz zur Behandlung der Migräne und des Kopfschmerzes vom Spannungstyp sind nichtmedikamentöse Therapiestrategien beim Clusterkopfschmerz von untergeordneter Bedeutung. Obwohl die genaue Art der Beziehung zwischen Clusterkopfschmerzen und Nikotinkonsum noch immer unklar ist, gilt Nikotinkonsum als der einzige Faktor, den ein Betroffener selbst beeinflussen kann, um den Übergang eines episodischen Clusterkopfschmerzes in die chronische Verlaufsform zu verhindern.

Verhaltensregeln bei Clusterkopfschmerzen

Sinnvoll:

  • Meiden von Triggerfaktoren während aktiver Clusterperioden (Alkohol, Nitropräparate, Aufenthalt in größeren Höhen)
  • Genereller Verzicht auf Nikotinkonsum

Ineffektiv:

  • Entspannungsverfahren
  • Stressbewältigungsverfahren
  • Physiotherapeutische oder physikalische Maßnahmen
  • Akupunktur

Attackentherapie

Sauerstoff bei Cluster

Bei der überwiegenden Zahl der Patienten sind Opioid- und Nichtopioid-Analgetika in der Attackenbehandlung des Clusterkopfschmerzes ineffektiv. Als zuverlässig wirksam haben sich lediglich die Inhalation von 100 %igem Sauerstoff und die subkutane Injektion von Sumatriptan 6 mg erwiesen.

In der Attackentherapie ist das Einatmen von reinem Sauerstoff über eine Gesichtsmaske besonders schonend und effektiv. Wichtig sind die richtige Handhabung und Information. Eine tragbare Sauerstoffflasche kann verordnet werden. Eine wirksame Alternative ist Sumatriptan Injekt, das mit einem Autoinjektor selbstständig unter die Haut gespritzt werden kann.

  • Sauerstoff (Inhalation von 100% O2, mindestens 10l/Min. über 10 Minuten mit Gesichtsmaske)
  • Sumatriptan (6 mg s.c.)

II. Wahl

  • Sumatriptan (20 mg nasal)
  • Zolmitriptan (2,5 – 5 mg oral, 5 mg nasal)

III. Wahl

  • Lidocain (4% Lösung auf der Schmerzseite in das Nasenloch einsprühen)

Sauerstoff

Die Inhalation von 100 %igem Sauerstoff in einer Dosierung von 7 l/Min. über ca. 15 Minuten lindert oder beendet bei ca. 2/3 der Patienten Attacken innerhalb von 15 Minuten. Besonders effektiv ist die Anwendung zu Beginn der Attacke. Die Verwendung einer Gesichtsmaske ist bei den Patienten mit einer nasalen Kongestion oder Rhinorrhoe zu empfehlen. Der Wirkmechanismus scheint eine akute Vasokonstriktion intrazerebraler Gefäße zu sein. Die Vorteile des Sauerstoffs sind seine extrem gute Verträglichkeit, das Fehlen von Wechselwirkungen mit Substanzen zur medikamentösen Prophylaxe von Clusterkopfschmerzen, sowie die unbegrenzte Wiederholbarkeit bei erneuten Attacken während eines Tages. Wichtigster Nachteil trotz des Angebots an tragbaren Sauerstoffflaschen ist die eingeschränkte Praktikabilität. Darüber hinaus hat Sauerstoff im Gegensatz zu Sumatriptan keinerlei prophylaktische Wirkung unmittelbar nach erfolgreicher Anwendung.

Sumatriptan s.c.

Die subkutane Anwendung von Sumatriptan 6 mg mittels Autoinjektor oder Fertigspritze ist die mit Abstand effektivste Behandlung der Clusterattacke. Innerhalb von 15 Minuten sind ca. 75 % der behandelten Attacken beendet, die Wirkung beginnt dabei häufig bereits nach wenigen Minuten. Die exzellente Wirksamkeit hält in Langzeitstudien über den gesamten Einnahmezeitraum an. Medikamenteninduzierte Kopfschmerzen wurden nicht beobachtet. Die Verträglichkeit ist bei Clusterpatienten im allgemeinen sehr gut, auch bei beschriebenen Überdosierungen von bis zu 8 Injektionen innerhalb von 24 Stunden. Theoretisch ist die Anwendung auf 2 x 6 mg innerhalb von 24 Stunden limitiert. Zu beachten ist, dass Sumatriptan nicht mit Methysergid oder Ergotamintartrat zur Prophylaxe des Clusterkopfschmerzes kombiniert werden darf. Weiterhin zu beachten ist die generelle Kontraindikation zum Einsatz von Sumatriptan.

Die nasale Darreichungsform des Sumatriptans mit 20 mg und Zolmitriptan mit 5 mg zeigten sich in kontrollierten Studien als ebenfalls wirksam. Im Vergleich zu Sumatriptan s.c. ist der Wirkeintritt jedoch deutlich verzögert und die Gesamtwirksamkeit niedriger. Die Instillation von 4 Hüben einer 4 %igen Lidocainlösung ins Nasenloch der betroffenen Seite bei 45° zurückgebeugtem und 30° zur schmerzhaften Seite rotiertem Kopf kann in Einzelfällen eine Schmerzlinderung erbringen. In einer größeren offenen Fallserie war die Wirkung jedoch schlecht. Auch scheint der Wirkeintritt im Vergleich zu Sumatriptan s.c. und Sauerstoff verzögert.