Ibuprofen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten könnte sich schädlich auf die Fruchtbarkeit der Töchter auswirken

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Ibuprofen in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten könnte sich schädlich auf die Fruchtbarkeit der Töchter auswirken

Ca. 30% der Schwangeren nehmen das Schmerzmittel Ibuprofen in den ersten 3 Schwangerschaftsmonaten ein. Ibuprofen wirkt über die Hemmung der Prostaglandinsynthese. Es ist seit längerem bekannt, dass dies die Schwangerschaft und/oder die embryo-fetale Entwicklung beeinträchtigen kann. Daten aus epidemiologischen Studien zeigen ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten sowie Missbildungen nach Einsatz von Prostaglandinsynthesehemmern in der Frühschwangerschaft. Allgemein gilt die Empfehlung, dass während des ersten und des zweiten Schwangerschaftstrimesters Ibuprofen nur gegeben werden sollte, wenn dies unbedingt medizinisch notwendig ist. Gleichzeitig sollte die Dosierung von Ibuprofen so niedrig wie möglich und die Behandlungsdauer so kurz wie möglich gehalten werden. Dies gilt sowohl für Frauen, die versuchen schwanger zu werden, als auch für Schwangere während des ersten oder zweiten Schwangerschaftstrimesters. Während des dritten Schwangerschaftstrimesters ist Ibuprofen kontraindiziert, da beim Ungeborenen ein erhöhtes Risiko für eine Schädigung von Herz und Lunge sowie der Nieren gegeben ist. Auch kann bei der Mutter am Ende der Schwangerschaft eine Verlängerung der Blutungszeit sowie eine Hemmung der Uteruskontraktionen bedingt werden.

Eine aktuelle Studie beschäftigt sich mit der möglichen Langzeitauswirkung der Gabe von Ibuprofen auf die späteren Töchter der Schwangeren. Ibuprofen führte in dieser Laborstudie zu einem ausgeprägten Verlust von weiblichen Keimzellen. Ibuprofen wirkt über eine Hemmung des Enzyms Cyclooxygenase (COX). Cyclooxygenase wird für die Bildung von Prostaglandinen benötigt, die auch für die Entwicklung von Eizellen im Ovar des Föten erforderlich sind. Das Forscherteam um Séverine Mazaud-Guittot, Universität Rennes, Inserm, EHESP, Institut de Recherche en Santé, Environnement et Travail, Frankreich, untersuchte in einem sehr streng kontrollierten Design die Wirkung von Ibuprofen auf die Entwicklung von menschlichen Eizellen. Die menschlichen Ovarien stammten von 185 Föten von legalen Schwangerschaftsabbrüchen in der 7. bis 12. Schwangerschaftswoche. Das Eierstockgewebe wurde im Labor kultiviert und die Nährlösung mit Ibuprofen mit unterschiedlichen Konzentrationen über verschiedene Zeiten versetzt. Bei den Frauen, die 2-4 Stunden vor dem Abbruch Ibuprofen eingenommen hatten, wurde zudem die Konzentration von Ibuprofen im Nabelschnurblut erfasst.

Erstmalig konnte das Forscherteam bestätigen, dass Ibuprofen die Placentaschranke direkt überwinden kann. Die Ibuprofen-Konzentration im Nabelschnurblut zeigte die gleichen Werte wie bei Menschen, die eine entsprechende Dosis Ibuprofen zu therapeutischen Zwecken einsetzten. Anschließend wurde das Ovarialgewebe von Feten Ibuprofen in verschiedenen Dosierungen ausgesetzt, die bisher über die Mutter noch nicht Kontakt mit Ibuprofen hatten. Es zeigten sich ein stark reduziertes Zellwachstum und ein dramatischer Rückgang der Eizellzahl. Nach Beendigung der Ibuprofen-Exposition war dieser Rückgang nicht umkehrbar zu machen. Die Keimzellen, aus denen die weiblichen Eizellen sich entwickeln, starben entweder oder hörten auf sich in ihrer üblichen Weise zu vermehren.

Ovargewebe nach Exposition mit Ibuprofen über sieben Tage. Die großen braunen Zellen sind absterbende Keimzellen, auch die kleinen braunen Zellen sterben ab. Quelle: Severine Mazaud-GuiJot, INSERM

Die Autoren leiten aus den Daten die Besorgnis ab, dass die Einnahme von Ibuprofen während der Frühschwangerschaft negative Langzeiteffekte auf die spätere Fruchtbarkeit von Mädchen haben könnte. Neugeborene Mädchen werden mit einer endlichen Anzahl von Follikeln in ihren Ovarien geboren. Diese bestimmen ihre spätere Fruchtbarkeit im Erwachsenenalter. Eine reduzierte Ausstattung kann zu einer verkürzten Zeitspanne für die Reproduktion, eine früher eintretene Menopause oder gar zu Unfruchtbarkeit führen. All dies kann Jahrzehnte später im Leben entstehen.

Bei kurzzeitiger Einnahme ist es möglich, dass der Effekt von Ibuprofen auf die Follikelbildung sich erholt. Allerdings zeigte sich in der Untersuchung, dass der Kontakt mit Ibuprofen über eine Zeitdauer von 2-7 Tagen bereits zu einer dramatischen Reduktion der Keimzellen im ersten Schwangerschaftstrimester führen kann und keine vollständige Erholung der Schädigung zu beobachten ist. Dies könnte bedeuten, dass die verlängerte Exposition mit Ibuprofen während der Fetalzeit zu nachhaltigen negativen Effekten auf die Fruchtbarkeit führen kann.

In dieser Studie wurde erstmalig der Effekt von Ibuprofen auf das Eierstockgewebe von weiblichen Föten untersucht. Erstmalig bestätigte die Untersuchung, dass Ibuprofen während des ersten Schwangerschaftstrimesters die Plazenta überschreiten kann. Die Forschergruppe kontrollierte sehr sorgfältig die Effekte von Ibuprofen auf das kultivierte Eierstockgewebe im Labor. Ein Teil des Gewebes jedes Föten wurde mit Ibuprofen exponiert und ein anderer Teil diente als Kontrolle ohne Ibuprofen-Exposition. Die Studie hat Limitierungen, der Effekt wurde im Labor untersucht. Auch wurden Langzeiteffekte nicht analysiert.

Wie bereits die Befunde zu den negativen Langzeitauswirkungen von Paracetamol auf das ungeborene Leben zeigt auch diese Studie, dass Alltagsschmerzmittel wie Paracetamol und Ibuprofen nachhaltige negative Effekte haben können, wenn sie während der Schwangerschaft eingenommen werden. Diese Effekte könnten Auswirkungen auf die spätere Fruchtbarkeit Jahrzehnte nach der Geburt haben bis hoch in das Alter der Wechseljahre und Menopause. Die Befunde verdeutlichen erneut, dass bei der hohen Anzahl von Schwangeren, die Schmerzmittel einnehmen, eine Aufklärung über die Behandlung von Schmerzen während der Schwangerschaft dringend erforderlich ist. Schmerzmittel während der Schwangerschaft sollten nur eingenommen werden, wenn sie unbedingt nötig sind und auch dann nur in einer möglichst niedrigen Dosis für eine möglichst kurze Zeit. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass gerade Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Paracetamol nur eine schwache schmerzlindernde Wirkung haben. Für schwere Schmerzen sind sie ungeeignet. Gerade in der Schwangerschaft sollten Schmerzmittel nicht ohne ärztlichen Rat eingenommen werden, um die möglichen Risiken in Hinblick auf den zu erwartenden Effekt abzuwägen. Dabei sollte insbesondere berücksichtigt werden, dass es zahlreiche nichtmedikamentöse Behandlungsoptionen für die Vorbeugung als auch die Akuttherapie von Schmerzen gibt.

 

Quelle:

Leverrier-Penna, S; Mitchell, Rod; Becker, Esther B. E.; Lecante, L; Ben Maamar, Millissia; Homer, N; Lavoué, Vincent; Kristensen, David M.; Dejucq-Rainsford, Nathalie; Jégou, B; Mazaud-guittot, Séverine / Ibuprofen is deleterious for the development of first trimester human fetal ovary ex vivo. In: Human Reproduction, 02.02.2018.

EurekAlert system: European Society of Human Reproduction and Embryology
Ibuprofen in the first three months of pregnancy may harm future fertility of baby girls

FAZ: Ibuprofen am Pranger

FAZ: Macht Ibuprofen Töchter unfruchtbar?

Deutsche Ärzteblatt: Auch Ibuprofen in der Frühschwangerschaft könnte Töchter unfruchtbar machen

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