Migräne-Aufklärungswoche 2017 – Migraine Awareness Week 2017

Sie sind hier: :Startseite/Kopfschmerz-Zentrum/Migräne-Aufklärungswoche 2017 – Migraine Awareness Week 2017

Migräne-Aufklärungswoche 2017 – Migraine Awareness Week 2017

Die erste Septemberwoche wird international genutzt, um über Migräne aufzuklären, um die große Bedeutung des Gesundheitsproblems bewusst zu machen. Vorurteile und Stigmata sollen reduziert werden. Prof. Hartmut Göbel beantwortet aktuelle Fragen über Migräne, ihre Auswirkungen und Behandlung:

Welchen Stellenwert nehmen Migräne und Kopfschmerzen für die Gesellschaft ein?

Repräsentative Studien belegen, dass 71 % der Deutschen angeben, im Laufe ihres Lebens an Kopfschmerzen zu leiden. Die Zahl umfasst alle heute bekannten 367 verschiedenen Arten von Kopfschmerzen. In Deutschland leben also über rund 54 Millionen Menschen, die immer wieder Kopfschmerzen ertragen müssen. Kopfschmerzen können über lange Spannen des Lebens auftreten, häufig über 40-60 Jahre. Sie führen zu einem großen Leidensdruck und zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität und der Arbeitsfähigkeit. Die Weltgesundheitsorganisation listet die Migräne auf Platz 7 der am schwersten behindernden Erkrankungen. Nimmt man alle Kopfschmerzen zusammen, stehen Kopfschmerzen auf Platz 3 der am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen.

Migräne gab es schon immer, seitdem es Menschen gibt. Ein erster schwerer Migräneanfall wird sehr dezidiert auf einem ägyptischen Papyrus beschrieben. Immer wieder werden in der Weltliteratur Migräneanfälle dokumentiert. Auch das Damaskus-Erlebnis des Apostels Paulus mit Lichterscheinungen sowie dreitägigem Darniederliegen mit Appetitlosigkeit belegen, dass Migräne keine moderne Erscheinung ist, sondern seit Menschengedenken vorhanden.

Und hier einige wichtige Fakten:

  • Migräne ist die dritthäufigste Erkrankung der Welt (hinter Zahnkaries und Spannungskopfschmerzen) mit einer geschätzten globalen Einjahres-Prävalenz von 14,7 % (d. h. etwa eine von sieben Personen). Im Alter zwischen 30 und 40 Jahren ist nahezu jede dritte Frau betroffen.
  • Migräne ist häufiger als Diabetes, Epilepsie und Asthma zusammengenommen.
  • Chronische Migräne betrifft etwa 2 % der Weltbevölkerung.
  • Migräne betrifft dreimal so viele Frauen wie Männer.
  • Jeden Tag sind in Deutschland 900.000 Menschen betroffen. 100.000 Menschen sind wegen Migräne pro Tag arbeitsunfähig und bettlägerig.
  • 8,3 Millionen Deutsche nehmen im Mittel jeden Tag eine Kopfschmerztablette über Selbstmedikation.
  • 58.853 Triptan-Einzeldosen, das sind spezielle Migränemittel für die Attackenbehandlung, werden im Mittel jeden Tag in Deutschland eingenommen
  • Mehr als die Hälfte der Betroffenen erlebt eine schwere Beeinträchtigung durch die Anfälle.
  • Migräne beginnt oft in der Pubertät. Am stärksten behindert sie im Alter zwischen 35 und 45 Jahren. Aber auch viele junge Kinder sind betroffen. In den letzten Jahren zeigt sich besonders bei Kindern eine starke Zunahme.
  • Migräne steht weltweit an siebter Stelle der am meisten beeinträchtigenden Krankheiten und die führende Ursache der Behinderung unter allen neurologischen Erkrankungen.
  • Es wird geschätzt, dass die deutsche Bevölkerung 32 Millionen Arbeitstage durch Migräne verliert.
  • Schwere Migräneattacken werden von der Weltgesundheitsorganisation unter die am meisten behindernden Krankheiten eingestuft, vergleichbar mit Demenz, Querschnittslähmung, bei der alle vier Gliedmaßen – also sowohl Beine als auch Arme – betroffen sind und aktiver Psychose.
  • Migräne und chronische Kopfschmerzen sind zweithäufigster Grund für kurzfristige Arbeitsunfähigkeit.
  • Arbeitsunfähigkeit durch Migräne allein kostet 3,1 Milliarden Euro pro Jahr in Deutschland, berechnet auf der Grundlage von 32 Millionen verlorenen Tagen.
  • Das Risiko für Depression, Angsterkrankungen und Suizid ist bei Betroffen 3 bis 7 mal höher als bei Gesunden.
  • Das Risiko für Kreislauferkrankungen, Herzinfarkt und Schlaganfall ist 1,5 bis 2 mal höher als bei Gesunden. Dies trifft besonders für junge Frauen unter 45 Jahren zu.
  • Es ist wissenschaftlich gesichert, dass Migräne eine genetische Grundlage hat. Mittlerweile sind 44 Genvarianten auf 38 Risikogene für Migräne bekannt.
  • Eine der häufigsten Gesundheitsprobleme, die mit wissenschaftlich ungesicherten unkonventionellen Therapien behandelt werden, ist Kopfschmerz.
  • Weltweit werden im Mittel während des sechsjährigen Medizinstudiums nur ca. zwei bis vier Stunden für Informationen über Kopfschmerzdiagnose und -behandlung angeboten.
  • Trotz der belegten Effektivität des Einsatzes von Fachkrankenschwestern für die Kopfschmerzbehandlung gibt es bisher keine spezialisierte Ausbildung in Deutschland.
  • Migräne und andere Kopfschmerzen wurden erstmals 1988 von der International Headache Society (IHS) international einheitlich klassifiziert und es wurden operationalisierte diagnostische Kriterien beschrieben. Die internationale Klassifikation der Kopfschmerz-Erkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3) beta wurde 2013 veröffentlicht und ist von der Weltgesundheitsorganisation anerkannt. Forscher und Kliniker weltweit beziehen sich auf diese international gültigen diagnostischen Kriterien. Es werden heute 367 Hauptdiagnosen von Kopfschmerzen unterschieden. Für keine andere neurologische Erkrankung gibt es ein vergleichbares differenziertes Diagnose- und Klassifikationssystem.

Migräne wird manchmal noch als Ausrede angesehen?

Hier muss leider völlige Ignoranz oder schlimmstenfalls böser Wille angenommen werden. Dass Menschen wegen einer Behinderung oder der genetischen Ausstattung diskriminiert werden, sollte der Vergangenheit angehören. Migräne ist eine biologische Erkrankung des Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation zählt sie zu den am schwersten behindernden Erkrankungen des Menschen. Heute sind 44 Genvarianten auf 38 Risikogene entschlüsselt worden, die belegen, dass im Bauplan unseres Körpers biologische Bedingungen verantwortlich sind, die mit dem Risiko einer Migräneerkrankung einhergehen. Migräne ist eine schwere Erkrankung des Nervensystems, die individuell starken Leidensdruck bedingt und Betroffene schwer behindert.

Sollte mehr über Migräne und Kopfschmerzen aufgeklärt werden?

Viele Menschen, die an Kopfschmerzen leiden, haben keine spezielle Diagnose. Nur ca. ein Drittel hat einen Namen für die Kopfschmerzen. Heute werden über 367 Kopfschmerzen international unterschieden. Die meisten davon sind in der durchschnittlichen medizinischen Versorgung nicht einmal dem Namen nach bekannt. Spezielle Behandlungskonzepte werden den Betroffenen nicht eröffnet. Auch Patienten selbst haben kein Konzept, keine Idee woher die Kopfschmerzen kommen, wie sie spezifisch zu behandeln sind. Daher ist es von allergrößter Bedeutung, dass den Betroffenen spezifische Behandlungswege eröffnet werden.

Woran erkennt man Migräne und Spannungskopfschmerzen?

Migräneattacken sind anfallsweise Kopfschmerzen, die eine Dauer von 4-72 Stunden haben. Der Kopfschmerz hat einen pulsierend-pochenden Charakter. Er ist an einer umschriebenen Stelle des Kopfes spürbar. Körperliche Tätigkeit verstärkt den Schmerz, die Schmerzen haben eine sehr starke Intensität, weshalb die Tätigkeit schwer behindert wird oder ganz unmöglich gemacht. Die Schmerzen können von Übelkeit, Erbrechen sowie Lärm- und Lichtüberempfindlichkeit begleitet werden. Der Kopfschmerz vom Spannungstyp tritt dagegen als ein dumpf-drückender, beidseitiger Kopfschmerz auf. Körperliche Tätigkeit verstärkt den Schmerz nicht, Übelkeit und Erbrechen sind nicht vorhanden.

Sind Frauen häufiger betroffen?

Frauen leiden nach repräsentativen Untersuchungen ca. 2 bis 3 mal häufiger an Migräne. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass eine schnellere, aktivere Reizverarbeitung im zentralen Nervensystem dafür verantwortlich ist.

Warum bekommen manche Migräne, andere nicht?

Neueste Untersuchungen haben belegt, dass spezielle Risikogene die Wahrscheinlichkeit, an Migräne zu erkranken, erhöhen. In der bisher weltweit umfangreichsten Migränestudie wurden 44 neue Genvarianten entdeckt. Sie sind mit einem erhöhten Risiko, an Migräne zu erkranken, verbunden. Zahlreiche dieser Genvarianten sind in den Bereichen des Erbguts lokalisiert, die das Blutkreislaufsystem des Gehirns regulieren. Die neuen Entdeckungen weisen darauf hin, dass eine Störung der Blut- und Energieversorgung des Gehirns wesentlich für die Entstehung der Migräne ist. Sie sind ein Meilenstein für das Verständnis der Ursachen der Migräne.

Wie verhält sich Migräne in der Lebensspanne?

In der Regel treten die ersten Attacken im 7. Lebensjahr auf. Bereits ab dem 14. Lebensjahr sind mehr als 14 % der Mädchen und mehr als 7 % der Jungen betroffen. Der Gipfel der Häufigkeit von Migräne ist im dritten und vierten Lebensjahrzehnt.

An welchen Arzt wende ich mich bei Migräne und Kopfschmerzen?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung des zentralen Nervensystems. Sie kann bei mangelnder Behandlung zu schwergradigen Komplikationen führen. Neben psychischen Komplikationen können auch schwere körperliche Erkrankungen auftreten, wenn eine Migräne nicht effektiv behandelt wird. Diese schließen ein erhöhtes Risiko für Schlaganfall, Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauferkrankungen ein. Immer noch ist vereinzelt die Meinung vertreten, dass man mit unkonventionellen oder alternativen Therapieverfahren diese schwergradige Erkrankung behandeln sollte. Dafür ist aufgrund der heutigen wissenschaftlichen Erkenntnisse definitiv kein Platz. Migräne muss möglichst effektiv behandelt werden, damit sie nicht chronifiziert und schwergradige Langzeitkomplikationen vermieden werden. Erster Ansprechpartner ist der Allgemeinarzt. Bei komplexen Verläufen wird dann der Neurologe als Facharzt hinzugezogen, für schwergradige Erkrankungen ist auch der Schmerztherapeut der spezielle Ansprechpartner.

Was passiert im Gehirn?

Grundsätzlich ist bei der Migräne keine strukturelle Störung am Gehirn vorhanden, der Aufbau des Gehirns ist also regelrecht. Allerdings können Migränepatienten aufgrund ihrer genetischen Ausstattung sehr schnell und sehr effektiv Reize differenzieren, alles zu Schnelle, alles zu Viele, alles zu Plötzliche, alles was auf einmal auf das Nervensystem einströmt, wird zu einer starken Aktivierung der Nervenzellen führen mit der Folge, dass die Energievorräte in den Nervenzellen erschöpft werden. Dies führt immer wieder zu einer Entgleisung der Regulierung der Nervenfunktion, sie kann zusammenbrechen und eine Migräneattacke kann entstehen.

Tritt eine solche Fehlsteuerung der Nervenfunktion auf, können Entzündungsstoffe an den Arterien der Hirnhäute freigesetzt werden. Diese führen zu einer verstärkten Empfindlichkeit der Hirnhäute. Jeder Pulsschlag führt zu einem pochenden, hämmernden Migräneschmerz, jede Bewegung des Schädels tut weh. Deshalb versuchen Migränepatienten möglichst Ruhe einzuhalten, körperliche Tätigkeit zu vermeiden. Der Migräneschmerz basiert also auf einer neurogenen Entzündung mit erhöhter Schmerzempfindlichkeit.

Was löst Anfälle aus?

Der wichtigste Faktor, der Migräneattacken auslöst, ist Unregelmäßigkeit im Alltag und zu hohe Energieabforderung der Nervenzellen. Stress, Unregelmäßigkeit, alles zu schnell, alles zu viel, alles zu plötzlich, alles auf einmal, kann Migräneattacken auslösen.

Wie behandelt man heute Migräne?

Die zeitgemäße Migränetherapie beruht auf drei entscheidenden Säulen. Die erste Säule besteht aus Wissen und Information. Migränepatienten müssen wissen, wie Migräneattacken entstehen, was im Nervensystem passiert und wie sie ausgelöst werden. Sie brauchen eine umfassende Information über Verhaltensweisen und Maßnahmen, um sich vor Migräne zu schützen. Dazu gehört in erster Linie ein regelmäßiger Tag-Nachtrhythmus. Patienten sollten regelmäßig Mahlzeiten zu sich nehmen. Es empfehlen sich kohlenhydratreiche Mahlzeiten, da das Nervensystem auf Kohlenhydrate angewiesen ist. Migräneattacken entstehen durch ein Energiedefizit in den Nervenzellen, durch die hohe Aktivität, die genetisch bedingt ist. Ausreichendes Trinken, ein regelmäßiger Schlaf sowie regelmäßige Pausen im Alltag sollten zusätzlich eingeleitet werden. Das Lernen eines Entspannungstrainings wie die progressive Muskelrelaxation kann die Migränehäufigkeit deutlich reduzieren. Informationen durch einen Patientenratgeber oder durch Information im Internet, kann ebenfalls sehr viel Wissen vermitteln, das im Alltag hilft, die Migränehäufigkeit zu reduzieren. Selbsthilfegruppen wie z. B. die Internetplattform www.headbook.me kann zum Austausch führen und Wissen an die Betroffenen weitergeben. Sporttherapie ist ebenfalls gut geeignet, Migräneattacken in ihrer Häufigkeit zu reduzieren. Dabei hilft insbesondere gleichmäßiger Ausdauersport wie Laufen, Schwimmen oder Fahrradfahren. Bei mehr als sieben Kopfschmerztagen pro Monat sollte zusätzlich zu den beschriebenen Maßnahmen eine medikamentöse Prophylaxe erwogen werden. Diese besteht aus unterschiedlichen medikamentösen Möglichkeiten und schließen die Gabe von Betablockern, Calciumantagonisten, Antiepileptika, Antidepressiva und andere Substanzen ein. Es sollte eine individuelle Auswahl erfolgen, dies muss mit einem Arzt abgesprochen werden. Für die Behandlung der akuten Attacke gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei leichten Attacken können Schmerzmittel wie Aspirin, Ibuprofen oder Paracetamol eingesetzt werden, bei Übelkeit und Erbrechen verbindet man dies mit der Gabe von sogenannten Mitteln gegen Übelkeit und Erbrechen wie z. B. Metoclopramid. Bei schweren Attacken stehen sieben verschiedene Triptane in unterschiedlicher Darreichungsformen zur Verfügung. Der Wirkstoff kann bei schwerer Übelkeit oder Erbrechen auch selbst unter die Haut mit einem Pen injiziert werden, sie stehen auch als Nasenspray zur Verfügung. Triptane sollten so früh wie möglich im Anfall eingenommen werden und auch hier gilt die 10-20-Regel. Sie sollen an weniger als 10 Tagen pro Monat verwendet werden, damit kein Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz (MÜK) entsteht. Neue Therapiemöglichkeiten bei der chronischen Migräne, d. h. bei Migräne, die öfter als an 14 Tagen im Monat auftritt, sind Botulinumtoxin und die Neuromodulation. Diese können bei besonders schwerwiegenden Verläufen durch spezialisierte Kopfschmerzzentren eingesetzt werden.

Welche Fehler kann man machen?

Der häufigste Fehler ist, dass Informationen zum Verhalten, zur Vorbeugung usw. nicht umgesetzt werden. Es werden dann sehr schnell viele Attacken auftreten, die Folge ist, dass zu häufig Akutmedikamente eingenommen werden. Nimmt man an mindestens zehn Tagen oder mehr Akutmedikamente ein, stellt sich die Empfindlichkeit im Nervensystem um. Die Folge ist eine erhöhte Sensitivierung mit der Entwicklung eines Kopfschmerzes bei Medikamentenübergebrauch. Es erfolgt dann ein Kreislauf von immer mehr Attacken mit der Notwendigkeit, immer häufiger Akutmedikamente einzunehmen, bis schließlich ein Dauerkopfschmerz entsteht. Daher die wichtigste Regel: Kopfschmerzakutmedikamente sollten an weniger als an 10 Tagen im Monat eingenommen werden. Mindestens 20 Tage im Monat sollten keine Akutmedikamente für die Behandlung von Kopfschmerzattacken verwendet werden.

Muss man sich mit Migräne abfinden?

Man kann sich mit Schmerzen und Migräne nicht abfinden. An Schmerzen gewöhnt man sich nicht. Im Gegenteil: Schmerz macht noch mehr Schmerz. Schmerzen auszuhalten ist keine Tugend. Man muss sie aktiv behandeln. Mit den heutigen Therapiemöglichkeiten gibt es sehr wirksame und nachhaltig verträgliche Therapiestrategien, um Kopfschmerzen zu bewältigen. Man muss jedoch sein eigener Anwalt werden, initiativ werden, sich Wissen und Informationen einholen, um dann gezielt vorbeugende Maßnahmen zu realisieren.

Wie gehen Sie in der Schmerzklinik Kiel in der Behandlung vor?

Unser Behandlungskonzept konzentriert sich auf neurologische Schmerzerkrankungen wie Migräne, chronische Kopfschmerzen und andere Schmerzerkrankungen bei Erkrankungen des Nervensystems. Diese zählen zu den am stärksten behindernden Leiden und gleichzeitig nach Demenz und Schlaganfall zu den drei teuersten neurologischen Erkrankungen. Traditionelle sektorale Versorgungs- und medizinische Fachgrenzen verstärken deren Chronifizierungs-Tendenz. Kern ist die multimodale Schmerztherapie, d. h. die konsequente fachübergreifende Umsetzung des internationalen wissenschaftlichen Wissens an den Bedürfnissen der Patienten, indikationsspezifische Kooperation spezialisierter Behandler und Vernetzung. Ziel ist, Schmerzen nachhaltig zu lindern, Lebensqualität wiederaufzubauen, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Die Klinik hat mehrfach Auszeichnungen für ihr innovatives Behandlungskonzept erhalten, u. a. den Preis für die beste Umsetzung der integrierten Versorgung in Deutschland. Die Patientenzufriedenheit im bundesweiten Behandlungsnetz ist sehr hoch. Dies wird uns immer wieder von Patienten und auch den Krankenkassen bestätigt.

Was raten Sie Angehörigen?

Auch Angehörige von Migränepatientinnen und -patienten sollten sich über die Entstehung und die Aufrechterhaltung von Migräne eingehend informieren. Sie können dann ihre Familienangehörigen verstehen, können ihnen Verständnis entgegenbringen und können sie unterstützen, vorbeugende Maßnahmen zu realisieren. Das Lesen eines Patientenratgeberbuches und Engagement in Selbsthilfegruppen kann dabei wesentlich unterstützen. Eine besonders häufig genutzte und sehr effektive Möglichkeit bieten heute soziale Gemeinschaften im Internet wie www.headbook.me

Wie sieht die Zukunft aus?

Migräne wird international sehr intensiv beforscht. Es ist in den letzten Jahren besser verstanden worden, dass Migräne eine sehr schwere, ernste neurologische Erkrankung ist. Man stirbt zwar akut nicht daran, aber die Schmerzen, Behinderungen und Komplikationen können trotzdem das Leben kosten. Auch die enormen gesellschaftlichen Auswirkungen von Migräne müssen reduziert werden. Daher gibt es auf vielen Feldern neue Forschungsstrategien und -anstrengungen. Sie führen dazu, dass die Ursachen der Migräne besser verstanden werden. Auch neue Therapieverfahren sind am Horizont. Die aktuelle Forschung zielt u. a. auf monoklonale Antikörper ab, auf immunologisch aktive Proteine, die die Entzündung bei Migräne stoppen. Dabei spielt das sog. CGRP, ein Entzündungsprotein, eine zentrale Rolle. Momentan werden Antikörper dagegen entwickelt und in zahlreichen Studien getestet. Sollten deren Resultate positiv ausfallen, könnten die Antikörper künftig als eine Art passive Impfung gegen Migräne eingesetzt werden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar