Zum Weltmännertag am 3. November

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Zum Weltmännertag am 3. November

Der Weltmännertag soll das Bewusstsein der Männer im gesundheitlichen Bereich erweitern. Er findet seit dem Jahr 2000 jährlich am 3. November statt. Schirmherr ist Michail Gorbatschow. Die Lebenserwartung der Männer liegt im Durchschnitt sieben Jahre unter der der Frauen.

Leiden Männer anders als Frauen?
Frauen empfinden Schmerzen stärker als Männer, wofür sowohl biologische Ursachen als auch die sozialen Erwartungen an die Geschlechter sowie der Umgang mit Schmerzen eine Rolle spielen. Untersuchungen zeigen, dass weibliche Hormone wie Östrogen als Schmerzverstärker wirken, während männliche Hormone die Empfindlichkeit reduzieren.

Auch die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen funktioniert unterschiedlich. Bei Frauen wird der Teil im Hirn, der für Gefühle mitverantwortlich ist, bei Schmerzreizen stärker aktiviert. Doch Frauen reden weitaus seltener über ihre Schmerzen als das starke Geschlecht. So behalten 66 Prozent der Frauen, aber nur 20 Prozent der Männer ihr Leiden für sich.

Aber Frauen lassen sich auch eher helfen. „Sie sind die besseren Schmerzexperten“, sagt Professor Göbel, „Weiblichkeit und Schmerz gehören in vielen Kulturen eng zusammen. In China wickelte man die Füße von Mädchen in straffe Lappen, damit sie klein bleiben. Die damit verbundenen Schmerzen begleiteten die Frauen das ganze Leben lang.“

Wenn Frauen leiden, konzentrieren sie sich mehr auf die emotionalen und zwischenmenschlichen Aspekte. Sie denken an die Folgen ihres Leidens, für sie ist folgender Satz typisch: Ich kann für meine Familie nicht mehr einkaufen gehen, weil die Taschen zu schwer für meine Schulterschmerzen sind. Allerdings treten bei ihnen auch Ängste, Depressionen und Schlafstörungen im Zusammenhang mit Schmerzen öfter auf als beim vermeintlich starken Geschlecht. „Männer ignorieren den Schmerz häufiger und versuchen zunächst, das Problem selbst zu lösen“, sagt Professor Göbel. Männer schildern Schmerzen symptom-orientiert und interpretieren Schmerzen eher, aber oft eben auch falsch.

Wichtige Fakten in Kürze:

Wie äußern beide Geschlechter üblicherweise ihren Schmerz?

• In experimentellen Untersuchungen ist es Männern peinlich, Schmerzen zu zeigen. Frauen dagegen berichten früher über Angst und Irritation und kommunizieren dies auch ihrer Umwelt.
• Männliche Probanden teilen attraktiven weiblichen Versuchsleiterinnen signifikant weniger Schmerzen im Experiment mit.
• Dagegen kommunizieren weibliche Probandinnen attraktiven männlichen Versuchsleitern mehr und intensiver Schmerzen als den jeweils gleichgeschlechtlichen Versuchsleiterinnen.
• Umgekehrt wird Frauen und Männern in der Schmerztherapie unterschiedlich begegnet. Frauen erhalten eine weniger intensive medizinische Abklärung, die schmerztherapeutische Versorgung bei Frauen ist geringer als bei Männern.
• Frauen konzentrieren sich mehr auf emotionale und interpersonale Aspekte von Schmerzen. Männer verfolgen im Gegensatz dazu problemlösende und instrumentelle Strategien.
• Bei der Bewältigung von Schmerzen steht Frauen eine größere Palette von Möglichkeiten zur Verfügung. Sie lassen sich eher helfen, suchen eine umfangreichere soziale Unterstützung, nehmen eher Medikamente ein und gehen früher zum Arzt.
• Männer dagegen ignorieren den Schmerz häufiger und interpretieren die Ursachen um. Sie versuchen das Problem selbst zu lösen.
• Die Folge kann dabei eine schnellere Chronifizierung, vergebliche Warnung vor möglichen Schäden und Überlastung sein.
• Andererseits finden sich Begleiterkrankungen von Schmerzen bei Frauen häufiger als bei Männern. So treten Ängste und Depressionen sowie Schlafstörungen im Zusammenhang mit Schmerzen bei Frauen öfter auf als bei Männern.

Welche Gründe gibt es für die Unterschiede?

• In Untersuchungen zeigt sich, dass die Wahrnehmung und Verarbeitung von Schmerzen bei Männern und Frauen unterschiedlich organisiert ist.
• In psychophysischen Experimenten zeigen sich Frauen nahezu doppelt so empfindlich auf Schmerzreize wie Männer. Auch zeigen sie größere Unterschiede in der Lateralisation der Schmerzempfindlichkeit zwischen der linken und rechten Körperhälfte und die zirkadiane Rhythmik der Schmerzwahrnehmung bei Frauen und Männern ist unterschiedlich.
• Gehirnscans mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigen, dass das männliche und weibliche Gehirn bei gleichen Schmerzreizen unterschiedlich reagiert. Bei Frauen wird das limbische System, das für die gefühlsmäßige Tönung von Schmerzen verantwortlich ist, stärker aktiviert als bei Männern.
• Frauen verspüren daher die affektive und die emotionale Komponente von Schmerzen intensiver als Männer. Im Gegensatz zu Frauen zeigt das männliche Gehirn bei Schmerzreizen eine stärkere Aktivität in den kognitiven und analytischen Bereichen der Wahrnehmung.
• Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede können entwicklungsgeschichtlich erklärt werden. So müssen die kognitiven Bereiche des männlichen Gehirns im Rahmen der Verteidigung nach außen bei Schmerz und Stress stärker aktiviert werden.
• Die Aktivierung der limbischen Gehirnareale führt dagegen zu einem verstärkten Schutz der Familie nach innen mit Bindung der Frau an die Familie und Sorge für den Zusammenhalt.
• Auch Hormone können die Schmerzwahrnehmung und -verarbeitung beeinflussen. Frauen die sich im Rahmen einer Geschlechtsumwandlung mit dem männlichen Hormon Testosteron behandeln ließen, sagen aus, dass sie nunmehr als Männer weniger schmerzempfindlich wären wie vorher als Frau. Testosteron scheint die Schmerzempfindlichkeit zu reduzieren,
• dagegen scheinen Östrogene die Schmerzhemmmechanismen zu bremsen und die Schmerzempfindlichkeit ansteigen zu lassen. Dabei scheint nicht der absolute Hormonspiegel relevant zu sein sondern vielmehr Hormonschwankungen.

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