Das Gesundheitswesen muss für Schmerzpatienten da sein

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Das Gesundheitswesen muss für Schmerzpatienten da sein

Heute bundesweiter Aktionstag gegen den Schmerz an über 500 Standorten in Deutschland und kostenlose Patienten-Hotline (0800-18 18 120)

Kiel/Berlin, 2. Juni 2015. „Das Gesundheitswesen sollte für die Schmerzpatienten da sein und nicht umgekehrt“, fordert der Präsident der Deutschen Schmerzgesellschaft, Prof. Dr. Michael Schäfer. „Nicht immer ist es das Beste, gleich zu operieren oder nur ein Medikament zu geben. Schmerzpatienten brauchen Zeit und fachübergreifende Therapien.“

Prof. Dr. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel: „Ein wesentlicher Indikator für ein leistungsfähiges und modernes Gesundheitssystem ist, dass Leiden und Schmerzen schnell gelindert werden und Patienten eine Behandlungsodyssee, Diagnoseverzögerungen und ineffektive Therapien erspart bleiben. Gerade schwere und chronische Schmerzerkrankungen äußern sich mit komplexen Symptomen, haben zahlreiche Entstehungsmechanismen und äußern sich mit vielfältigen körperlichen und psychischen Auswirkungen. Sie können daher in der Regel nicht flächendeckend an jedem Ort spezialisiert auf neuestem Stand behandelt werden. Ohne Kenntnis zeitgemäßer diagnostischer Kriterien und aktueller wissenschaftlich gesicherter Behandlungspfade entstehen leicht Fehldiagnosen und unwirksame Behandlungsverläufe.“

In den letzten Jahren konnten viele Fortschritt in der Schmerztherapie erreicht werden. Gerade die Behandlung von Kopfschmerzen hat sich in den letzten Jahren als eines der erfolgreichsten und faszinierendsten Felder der Medizin entwickelt. Viele Ursachen von Kopfschmerzen wurden aufgedeckt. Die Mechanismen, die Kopfschmerzen unterhalten und verschlimmern, sind eingehender bekannt. Kopfschmerzen können heute sehr präzise klassifiziert und diagnostiziert werden. Im Jahre 2013 wurde die 3. Auflage der internationalen Kopfschmerzklassifikation veröffentlicht. Es werden darin bereits über 363 Hauptformen von Kopfschmerzen unterschieden. Dies ist zielführend, da die meisten Kopfschmerzformen ganz präzise und hochspezialisiert behandelt werden können. Bei den weit verbreiteten Kopfschmerzformen, insbesondere die Migräne und der Kopfschmerz vom Spannungstyp, spielt die Vorbeugung durch Verhaltensanpassung, Wissen und Information eine entscheidende Rolle. Ohne Kenntnis der Hintergründe, die Kopfschmerzen bedingen, unterhalten und komplizieren, ist eine erfolgreiche und nachhaltige Kopfschmerzbehandlung nicht möglich. Aber auch neue und innovative Medikamente stehen Kopfschmerzpatientinnen und -patienten heute zur Verfügung. Diese können, wenn sie gezielt eingesetzt werden, ebenfalls zu einer entscheidenden Besserung von Kopfschmerzen beitragen.

Das zeitgemäße und moderne Wissen muss jedoch den Betroffenen auch unmittelbar zur Verfügung gestellt werden. Dazu sind in den letzten Jahren völlig neue Ideen entstanden, wie Patientinnen und Patienten mit Kopfschmerzen zukünftig und auch zeitgemäß versorgt werden können. „Neue Versorgungsstrukturen, wie das bundesweite Kopfschmerzbehandlungsnetz, wurden entwickelt. Diese ermöglichen eine schnelle Zurverfügungstellung des aktuellen Wissens für die bessere und nachhaltigere Behandlung von Betroffenen. Bei der koordinierten Versorgung sind die Vernetzung und die fachübergreifende Zusammenarbeit wesentliche Erfolgsgrundlagen“ äußert Prof. Göbel. Krankenkassen und auch die Gesundheitspolitik haben die Bedeutung von Kopfschmerzen in den Mittelpunkt ihrer Aktivitäten gerückt. Neue vernetzte Organisationsstrukturen wurden aufgebaut, um bei den Betroffenen Schmerzen zu lindern und Kosten zu senken. Eine große Kraft in der Verbesserung der Versorgung geht auch von den Patientinnen und Patienten selbst aus. Sie tauschen sich in Selbsthilfegruppen und in Internet-Foren aus und engagieren sich für die bessere Versorgung von Migräne und Kopfschmerzen. Dies alles hat dazu geführt, dass heute Kopfschmerzen und Migräne so erfolgreich behandelt werden können wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Chronische Schmerzen führen zu einer deutlichen Beeinträchtigung in allen Lebensbereichen, sodass seelische und soziale Faktoren eine enorm wichtige Rolle spielen. „Kein Therapeut als Einzelperson kann allerdings alles Wissen und umfassend richtiges Therapieren auf sich vereinen“, so Schmerz-Präsident Prof. Dr. Michael Schäfer. „Es müssen Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten, Pflegefachkräfte, Apotheker und der Patient selbst bei einer wirksamen Schmerztherapie gut und intensiv zusammenarbeiten“, fordert der Schmerzexperte. Derzeit dauert es oftmals allerdings Jahre, bis die Patienten eine gute Schmerztherapie im Gesundheitswesen erhalten.

An die Politik appelliert Schmerz-Präsident Prof. Dr. Schäfer, das Thema „Schmerz“ zur TOP-Priorität der Gesundheitspolitik auf Bundes- und Länderebene zu machen. Beispielsweise ist es nötig, dass alle Krankenhäuser gut akute Schmerzen behandeln und auch genügend Schmerzambulanzen oder Schmerzpraxen vorhanden sind. „Die aktuellen Diskussionen um ein Zweitmeinungsverfahren bei planbaren Operationen, den Aufbau eines DMP-Rückenschmerz sowie eine neue Qualitätsorientierung der Krankenhauspolitik bieten auch Chancen für eine bessere Schmerzversorgung,“ so der Schmerz-Präsident.

Den bundesweiten Aktionstag gegen den Schmerz organisiert die Deutsche Schmerzgesellschaft gemeinsam mit Partnerorganisationen jährlich am ersten Dienstag im Juni. An diesem Tag erhält die Öffentlichkeit jede Menge Informationen rund ums Thema ‚chronische Schmerzen‘ und die richtige Behandlung. Dazu finden in 2015 in ganz Deutschland in über 500 schmerztherapeutischen Praxen und Kliniken, aber auch in vielen Apotheken und Pflegeeinrichtungen Aktionen, Tage-der-offenen-Tür, Vorträge sowie die Abgabe von Patientenflyern statt.

Als Service stehen über mehrere Dutzend Schmerztherapeutinnen und Schmerztherapeuten den Patienten von 9:00 bis 18:00 Uhr in der kostenlosen Telefon-Hotline 0800-18 18 120 am 2. Juni 2015 Rede und Antwort.

Als Extrahotline für Pflegefachkräfte hat die Deutsche Schmerzgesellschaft e. V. gemeinsam mit den Pflegeverbänden ein Expertentelefon „Schmerz & Pflege“ geschaltet: Berufstätige aus der Pflege können sich im oben genannten Zeitraum von Pflegeexperten unter 0800-18 18 129 beraten lassen und Tipps erhalten, beispielsweise zu Fragen der spezialisierten Ausbildung oder aber Expertenstandards in der Pflege älterer Schmerzpatienten.

Zudem beteiligen sich in 2015 über 250 Apotheken bundesweit am Aktionstag.

 

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