Paracetamol bei Schmerzen im Hals-, Schulter- und Rückenbereich wirkungslos

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Paracetamol bei Schmerzen im Hals-, Schulter- und Rückenbereich wirkungslos

Neue Befunde widersprechen existierenden Therapieempfehlungen

Paracetamol ist unwirksam in der Behandlung von Rückenschmerzen. Entsprechend einer aktuellen Studie des British Medical Journals ist die Wirksamkeit von Paracetamol auch bei Gelenkschmerzen vernachlässigbar und klinisch nicht bedeutsam (BMJ 2015;350:h1225).

Rückenschmerzen sind eine der häufigsten Ursachen für Behinderungen weltweit. Sie werden verursacht durch Schmerzen im Halsbereich, Schulter-Nackenbereich sowie durch Kreuzschmerzen.

Bisherige Leitlinien empfehlen Paracetamol sowohl bei Rückenschmerzen als auch bei Gelenkschmerzen. Der Beleg für die Wirksamkeit von Paracetamol war jedoch schwach und widersprüchlich. Darüber hinaus bestehen Sicherheitsbedenken bei Tagesdosierungen bis zu 4000 mg pro Tag.

Die Autoren, angeführt vom Gustavo Machado, Universität von Sydney, führten eine systematische Meta-Analyse aus. Sie überprüften existierende Studien zur Wirksamkeit und Sicherheit von Paracetamol bei Rückenschmerzen und degenerativen Gelenkschmerzen im Bereich der Hüfte und der Knie.

Die Studie schloss 13 randomisierte kontrollierte Studien ein. Voraussetzung für die Aufnahme in die Analyse war, dass die Studien die Wirksamkeit von Paracetamol mit der von Placebo verglichen. 10 Studien schlossen 3.541 Patienten ein, die die Wirksamkeit von Paracetamol bei Gelenkschmerzen überprüften und 3 Studien schlossen 1.825 Patienten ein, die die Wirksamkeit von Paracetamol bei Kreuzschmerzen analysierten.

Es wurden sowohl die Wirksamkeit von Paracetamol auf die Schmerzlinderung, die Verbesserung der Behinderung sowie die Lebensqualität analysiert.

Die Studie zeigte, dass Paracetamol bei Rückenschmerz keine Wirksamkeit hat. Es reduziert nicht die Behinderung durch den Schmerz und verbessert nicht die Lebensqualität im Vergleich zu Placebo. Für Arthroseschmerz zeigen die Studien zwar eine kleine, jedoch klinisch unbedeutsame Verbesserung in der Reduktion von Schmerzen und Behinderung im Vergleich zu Placebo.

Paracetamol zeigte jedoch ein höheres Risiko für Störungen der Leberfunktion. Die entsprechenden Leberwerte steigen viermal höher im Vergleich zu Placebo an.

Die Studie untersuchte Paracetamol und Placebo im Einsatz über maximal sechs Monate. Es müssen daher weitere Analysen über längere Zeitperioden durchgeführt werden.

Nichtsdestotrotz schlussfolgern die Autoren, dass „die Ergebnisse eine Neubewertung der Therapieempfehlungen bezüglich des Einsatzes von Paracetamol für Patienten mit Rückenschmerzen und degenerativen Gelenkschmerzen erfordern“.

In einem begleitenden Editorial schreiben Christian Mallen und Elaine Hay von der Keele Universität, das die Studie die Debatte bezüglich der Wirksamkeit und der Sicherheit von Paracetamol erneut neu anfacht.

Sie erklären, dass wenn Paracetamol aus den bestehenden Leitlinien herausgenommen wird, alternativ andere Wirkstoffe eingesetzt werden und damit neue gesundheitliche Probleme verbunden sein könnten. Daher fordern sie, statt alleinigem Einsatz von Medikamenten nichtmedikamentöse Therapieverfahren für die Behandlung einzusetzen. Diese schließen körperliche Aktivierung, Sporttherapie, psychologische Therapieverfahren sowie Information und Verhaltensmaßnahmen ein, welche zahlreiche Vorteile in der Behandlung von Rückenschmerzen und degenerativen Gelenkschmerzen haben.

Hartmut Göbel, Schmerzklinik Kiel, fordert anlässlich der aktuellen Befunde: „Gerade bei Rückenschmerzen, die oft vielfältige Ursachen haben, kann das zusammengeführte Wissen mehrerer Experten entscheidend dazu beitragen, Schmerzen zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Neben Schmerztherapeuten sind auch Physio- und Verhaltenstherapeuten in die Behandlung der Patienten involviert. Denn meist sind z. B. an einem Rückenleiden beschädigte Wirbel oder Bandscheiben nicht alleine schuld. Auch Fehlhaltungen, Muskelstress, Leistungsdruck oder Bewegungsmangel können Rückenschmerzen verursachen und dauerhaft unterhalten“.

Patienten sollten ihren Arzt konsultieren, bevor sie Paracetamol in der Behandlung von Schmerzen ändern. Nach der neuen Studie ist Paracetamol keine wirksame Behandlung für die Schmerzlinderung bei Rücken- und Gelenkschmerzen. Für Rückenschmerzen gibt es zahlreiche Wirkstoffe, diese schließen sogenannte nichtsteroidale antientzündliche Wirkstoffe und Opioide ein. Diese können eine bessere Schmerzlinderung bedingen. Allerdings müssen auch bei diesen eine Reihe von Nebenwirkungen beachtet werden.

Gustavo Machado, einer der Autoren des Forschungsprojektes argumentiert: „Paracetamol ist das am meisten verwendete Arzneimittel im Rahmen der Selbstmedikation für Schmerzen im Muskel- und Skelettbereich. Daher ist es entscheidend, dass die aktuelle Studienlage auf neue Befunde überprüft wird. Unsere Forschungsergebnisse zeigen, dass Paracetamol für Rückenschmerz und degenerative Gelenkschmerzen neben der vernachlässigbaren oder fehlenden Wirkung mit einem erhöhten Risiko für Lebertoxizität der behandelten Patienten einhergeht“.

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