vdek-Interview: Schmerzen lindern durch koordinierte multimodale Therapie

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vdek-Interview: Schmerzen lindern durch koordinierte multimodale Therapie

Die Landesvertretung Schleswig-Holstein des Verbands der Ersatzkassen e.V. (vdek) veröffentlicht mehrmals im Jahr den ersatzkassen report. Im ersatzkassen report Dezember 2014 erläutert Prof. Hartmut Göbel seinen Ansatz der koordinierten multimodalen Schmerztherapie. In voller Länge können Sie den ersatzkassen report Dezember 2014 hier lesen.

vdek: Welche Besonderheiten zeichnen Ihr Behandlungskonzept aus?

Prof. Göbel: Unser Behandlungskonzept konzentriert sich auf Migräne, chronische Kopfschmerzen und andere neurologische Schmerzerkrankungen. Diese zählen zu den zehn am stärksten behindernden Leiden und gleichzeitig zu den drei teuersten neurologischen Erkrankungen. Traditionelle sektorale Versorgungs- und medizinische Fachgrenzen verstärken deren Chronifizierungs- Tendenz. Die Schmerzklinik Kiel wurde vor 17 Jahren als wissenschaftliches Modellprojekt aus der Uniklinik Kiel heraus gegründet und von der AOK vertraglich unterstützt. Mit der Techniker Krankenkasse wurde das Konzept dann für die bundesweite Versorgung adaptiert und ein innovatives ambulant-stationäres Behandlungsnetz mit über 400 niedergelassenen Schmerztherapeuten bundesweit initiiert. Heute arbeitet die Klinik als bundesweit anerkanntes Zentrum im Rahmen der multimodalen Schmerztherapie mit abgestimmten Behandlungsplänen und regionalen Schmerztherapeuten in Praxen und Kliniken zusammen. Unsere Klinik behandelt jährlich über 1.500 Patienten aus dem gesamten Bundesgebiet, ca. ein Viertel der Patienten kommt aus Schleswig-Holstein. Um die Versorgung für alle Patienten bereit zu stellen, erfolgte Ende 2013 die Aufnahme in den Krankenhausplan des Landes.

vdek: Wie werden die Ziele erreicht?

Prof. Göbel: Kern ist die multimodale Schmerztherapie, d.h. die konsequente fachübergreifende Umsetzung des differenzierten Leistungsbedarfs an den Bedürfnissen der Patienten, indikationsspezifische Kooperation spezialisierter Behandler und telemedizinische Vernetzung. Dazu kommen Benchmark-Preise für DRG-basierte Verläufe, Gewährleistung auf einen definierten Behandlungserfolg sowie effiziente Verwaltung. Schmerzen werden nachhaltig gelindert, Lebensqualität wird wieder aufgebaut, die Arbeitsfähigkeit wieder hergestellt. Die Klinik hat mehrfach Auszeichnungen für ihr innovatives Behandlungskonzept erhalten. Die Patientenzufriedenheit im bundesweiten Behandlungsnetz ist sehr hoch. Dies wird uns immer wieder von Patienten und auch den Krankenkassen bestätigt.

vdek: Wie gehen Sie um mit der Herausforderung aus einer fachlichen Spezialisierung und einem wohnortnahen Angebot?

Prof. Göbel: Basis einer erfolgreichen Schmerztherapie ist die wohnortnahe Verbesserung der Versorgung durch regional mit der Klinik vernetzte Spezialisten. Kann trotz spezieller regionaler Expertise vor Ort die Behandlung nicht zielführend erfolgen, können die Patienten zur hochintensiven vollstationären Behandlung in der Schmerzklinik Kiel aufgenommen werden. Es erfolgt nach Entlassung eine mindestens einjährige wohnortnahe Nachbetreuung zur Aufrechterhaltung des Behandlungserfolges. Dabei sind die Patienten aktiv eingebunden, entwickeln auch ein besseres Verständnis für ihre Krankheit durch Einsatz moderner telemedizinischer Techniken. Die Patienten können so das Behandlungsergebnis direkt positiv beeinflussen. Unser Therapieerfolg und die Zufriedenheit der Patienten resultiert gerade aus der Zusammenarbeit von regionaler Kompetenz vor Ort und unserer Spezialisierung mit bundesweiter Ausstrahlung.

vdek: Welche besonderen Herausforderungen sehen Sie für die schmerztherapeutische Versorgung in den nächsten Jahren?

Prof. Göbel: Die Anforderungen für die Weiterbildung in spezieller Schmerztherapie sind sehr hoch, die Behandlung chronischer und komplexer Krankheitsbilder erfordert intensiven Einsatz. Es gilt, Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass junge Ärztinnen und Ärzte diese Hürden auf sich nehmen. Die Zusammenarbeit zwischen innovativen Krankenkassen und Spezialisten hat über die Regelversorgung hinaus bundesweit beispielhafte Fortschritte in der Versorgung ermöglicht. Diese müssen aufrechterhalten und ausgebaut werden. Hier war Schleswig- Holstein in den vergangenen Jahren in einer Spitzenposition im Vergleich zu vielen anderen Ländern. Diesen Vorsprung sollten wir nutzen. Die Zulassung als Plankrankenhaus und der Abschluss eines Versorgungsvertrages mit allen Krankenkassen sollten hierfür auch eine nachhaltige wirtschaftliche Basis schaffen.

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