Paracetamol stört Entwicklung fötaler Stammzellen

Sie sind hier: :Startseite/Allgemein, Forschung, Fortbildung, Kopfschmerz-Zentrum, Kopfschmerzen, Migräne, Presse, Selbstmedikation/Paracetamol stört Entwicklung fötaler Stammzellen

Paracetamol stört Entwicklung fötaler Stammzellen

3sat nano: Video-Beitrag zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren:
Paracetamol: Aktuelle Warnung vor der Einnahme in der Schwangerschaft
Paracetamol, Schwangerschaft, ADHS, Entwicklungsstörungen

Hamburg (Oktober 2014). Das frei verkäufliche Arzneimittel Paracetamol gilt als Mittel der ersten Wahl zur Therapie von Schmerz und Fieber während der Schwangerschaft, wohingegen Medikamente wie Aspirin und Ibuprofen insbesondere im letzten Drittel der Schwangerschaft kontraindiziert sind. Epidemiologische Studien aus jüngerer Zeit legen nun nahe, dass die Einnahme von Paracetamol während der Schwangerschaft das Risiko der Kinder, im späteren Leben an Asthma zu erkranken, erhöht. Dieses Asthma-Risiko kann durch die Gabe von Paracetamol im frühen Kindesalter ebenfalls erhöht werden.
Um die zugrundeliegenden Mechanismen dieser Beobachtungen zu erforschen, hat die Forschungs- und Wissenschaftsstiftung Hamburg im Rahmen der am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf angesiedelten Forschergruppe “Feto-Maternal Immune Cross Talk: Short- and Long-term Consequences for Mother and Child” ein Projekt unterstützt, in welchem schwangere Frauen befragt wurden, ob sie Paracetamol während der Schwangerschaft eingenommen haben. Dabei stellte sich heraus, dass bis zu 20% der schwangeren Frauen Paracetamol einnehmen. Um den Effekt von Paracetamol auf den mütterlichen Organismus und das ungeborene Kind zu untersuchen, haben Frau Professor Gisa Tiegs, Institut für Experimentelle Immunologie und Hepatologie, und Frau Professor Petra Arck, Klinik für Geburtshilfe und Pränatalmedizin, gemeinsam mit ihren Teams ein experimentelles Mausmodell entwickelt. Mit Hilfe dieses Mausmodells konnten die Wissenschaftlerinnen nachweisen, dass Paracetamol einen Einfluss auf die Entwicklung fötaler Stammzellen der Leber hat. Diese Zellen sind wichtig für die Entwicklung des Immunsystems und eine Störung der Entwicklung kann die Immunantwort im späteren Leben negativ beeinflussen. Gleichzeitig konnten die Teams um die beiden Forscherinnen beobachten, dass ein erhöhter Schweregrad von Asthma-ähnlichen Symptomen bei erwachsenen Mäusen nach Gabe von Paracetamol während der Schwangerschaft nachweisbar ist.
Dieses Projekt beschäftigt sich augenblicklich mit der Verknüpfung von experimentellen Laborergebnissen und Klinik und hat zum Ziel, Veränderungen des Immunsystems bei Müttern, die Paracetamol während der Schwangerschaft genommen haben, und deren Neugeborenen zu untersuchen. Durch ihren molekular-immunologischen Ansatz wollen die Forscherinnen die Ergebnisse der epidemiologischen Studien auf den Prüfstand stellen, um gegebenenfalls Richtlinien für die Gabe von Paracetamol während der Schwangerschaft zu präzisieren.

Prof. Dr. Gisa Tiegs     Prof. Dr. Petra Arck

Literatur

1: Tiegs G, Karimi K, Brune K, Arck P. New problems arising from old drugs:
second-generation effects of acetaminophen. Expert Rev Clin Pharmacol. 2014
Sep;7(5):655-62. doi: 10.1586/17512433.2014.944502. Epub 2014 Jul 30. PubMed
PMID: 25075430.

2: Thiele K, Kessler T, Arck P, Erhardt A, Tiegs G. Acetaminophen and pregnancy:
short- and long-term consequences for mother and child. J Reprod Immunol. 2013
Mar;97(1):128-39. doi: 10.1016/j.jri.2012.10.014. Review. PubMed PMID: 23432879.


Hinterlassen Sie einen Kommentar